Katzenmusik bei Bösendorfer

20. Juli 2006, 12:28
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Jahresfehlbetrag der Bawag-Tochter stieg 2005 auf 1,8 Millionen Euro, Entspannung brachte nur eine Kapitalspritze

Auch das Jahr 2005 hat bei der Bawag-eigenen Klavierfabrik Bösendorfer schrille Misstöne gebracht. Der Jahresfehlbetrag stieg auf 1,8 Millionen Euro, es wurden nur 285 Flügel gebaut. Nur eine Kapitalspritze der Bawag brachte laut Bilanz 2005 "Entspannung".

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Wien – Müsste man sie neu komponieren, so würde die Bilanz 2005 der Klavierfabrik Bösendorfer fraglos in Moll geschrieben werden.

Die Gewerkschaftsbank Bawag unter ihrem kunstbeflissenen Chef Helmut Elsner hat den Klavierbauer 2001 um 25 Mio. Dollar gekauft, "zu teuer", wie man heute meint. Jedenfalls hat die Bank in den vergangenen Jahren heftig in die 1828 gegründete Klavierfabrik eingezahlt und sie nach außen hin zum "patriotischen Investment" stilisiert.

Rein kaufmännisch betrachtet, erschallt aus Wiener Neustadt, wo die kostbaren Flügel aus im Winter gefällten Fichten, Buchen, Ahorn, Linden oder Erlen gebaut werden, aber viel Katzenmusik. Die Zahl der produzierten Flügel sinkt Jahr für Jahr, 2005 wurde laut dem STANDARD vorliegender Bilanz "die Produktionsplanung mehrfach angepasst" (nämlich nach unten), schlussendlich wurden nur 285 Flügel erzeugt – ein neuer Tiefststand. Ursprünglich geplant waren 420 Flügel.

Export-Flaute

Die Umsatzziele wurden in den Vorjahren regelmäßig verfehlt, im Vorjahr litten vor allem die Verkäufe in die USA, Großbritannien und Japan. Gerade auf die Auslandsmärkte käme es aber an, werden doch 92 Prozent aller Bösendorfer-Flügel exportiert.

Im Herbst wurde die Lage dann schon sehr unbequem, Bösendorfer wurde die Luft eng. Die Bawag (sie ist die Großmutter-Gesellschaft von Bösendorfer) musste dem Vernehmen nach rund 2,5 Mio. Euro Kapital einschießen, weil sich laut Lagebericht in der Bilanz "das Verfehlen des Umsatzzieles natürlich auch negativ auf die Liquidität ausgewirkt hat. Ein Großmutterzuschuss von der Bawag P.S.K. brachte dann im November Entspannung." Auch ein komplizierter Grundstücksdeal erhellt die Bilanz, die Bawag sagt dazu aber nichts.

Zähe Fingerübung

Mittlerweile hat der neue Bankchef Ewald Nowotny den Verkauf der Klavierfabrik beschlossen – den wird aber wahrscheinlich erst der nächste Eigentümer der Bawag (sie wird ja gerade verkauft) vollziehen. Laut dem neuen Bösendorfer-Geschäftsführer Alfred Zellinger haben rund 26 Interessenten ein Angebot abgegeben, die Hälfte davon komme aus Österreich.

Auf die neuen Eigentümer und die 190 Mitarbeiter warten jedenfalls mühsame Fingerübungen. Im Vorjahr haben "die 2004 vorgenommenen Umstrukturierungen (...) noch nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, sodass das Umsatzziel 2005 bei Weitem nicht erreicht wurde", ist im Lagebericht nachzulesen.

In Zahlen: Der Umsatz fiel von 15,8 Mio. auf 12,3 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis sank von minus 282.000 auf minus 1,8 Mio. Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) rutschte weiter ins Negative, und zwar von minus 437.000 Euro auf minus zwei Mio. Euro. Der Jahresfehlbetrag hat sich vervierfacht – und stieg auf 1,8 Mio. Euro. Dank Auflösung von Kapitalrücklagen (1,8 Mio. Euro) und einem Gewinnvortrag von rund 2,6 Mio. Euro betrug der Bilanzgewinn 2,6 Mio. Euro.

Ambitionierter Ausblick

Angesichts der tristen Töne der Vergangenheit klingt der "Ausblick für 2006" ambitioniert: Die Klavierproduzenten sollen heuer 380 Flügel bauen, und 30 Pianinos. In den ersten Monaten dieses Jahres ist der Aufholprozess offenbar nicht gelungen, man sei weiter unter Plan gelegen, heißt es.

Seit April und dem Managerwechsel (heute leiten Georg Henke und Zellinger das Unternehmen gemeinsam) laufe es besser, "wir sehen eine Trendumkehr und verkaufen mehr Flügel als in den Vorjahren", sagt der fürs Marketing zuständige Manager Zellinger. Das Geschäft in Deutschland, Frankreich und Belgien habe zugelegt, auch China laufe "langsam an". Um die Ziele 2007 zu erreichen, müssen die Klavierbauer trotzdem kräftig Tasten bauen: Ihr Planziel: 400 Flügel. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2006)

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    Auf die neuen Eigentümer der traditionsreichen Klavierfabrik warten mühsame Fingerübungen.

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