Tadic: Alle Schuldigen für Kriegsverbrechen müssen bestraft werden

12. Juli 2006, 14:24
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Präsident Serbiens zum Jahrestag des Srebrenica-Massakers - UNO-Tribunal solle "gleiche Kriterien im Hinblick auf Verbrecher" anwenden

Belgrad - "Alle Schuldigen für Kriegsverbrechen müssen für ihre Untaten bestraft werden." Das betonte der serbische Präsident Boris Tadic am Dienstag anlässlich des elften Jahrestages des Massakers in der einstigen bosniakischen (moslemischen) Enklave Srebrenica. "Es gilt, alle Verbrechen nicht nur der Vergangenheit wegen, sondern auch wegen einer besseren Zukunft zu verurteilen."

Es sei für ihn "unwichtig", wo die Verbrechen begangen wurden - "in Prijedor, Sarajevo, Zvornik, in Kosovo und Metohija, Vukovar, Srebrenica, Bratunac oder Kravice. Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, seine Vollstrecker müssen der Gerechtigkeit vorgeführt werden", heißt es in einer Aussendung des serbischen Präsidenten.

Gleiche Kriterien

Tadic verwies gleichzeitig darauf, dass auch das UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien "gleiche Kriterien im Hinblick auf Verbrecher" anwenden solle. Der serbische Präsident bekräftigte damit seine Unzufriedenheit über ein jüngstes Urteil des Haager Tribunals. Der ehemalige Kriegskommandant von Srebrenica (1992-1995), Naser Oric, wurde damit zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er die Ermordung von mindestens sechs serbischen Gefangenen in der Polizeistation von Srebrenica in den Jahren 1992/93 nicht verhindert haben soll. Unter den bosnischen Serben, aber auch in Belgrad, löste das Urteil Empörung aus.

Mladic weiter flüchtig

Der Hauptverantwortliche für die Ermordung von rund 8.000 Einwohnern von Srebrenica durch die bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995, der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, ist indes weiterhin flüchtig und wird auf dem Gebiet Serbiens vermutet. Die serbische Regierung bereitet einen Aktionsplan vor, der zu seiner Festnahme führen soll. Regierungsvertreter sollen den Plan am kommenden Sonntag auch der EU-Troika vorstellen.

Die Europäische Kommission hatte Anfang Mai ihre Gespräche mit Belgrad über ein Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA) wegen der fehlenden Zusammenarbeit Serbiens mit dem UNO-Tribunal gestoppt. (APA)

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