Creutzfeld-Jacob-Fieber bei Wienerin nach Tod festgestellt

14. Juli 2006, 10:04
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AKH sucht nun nach Patienten, die mit denselben Geräten operiert wurden wie die Infizierte

Wien - Bei einer Wienerin, die im Juni verstorben ist, wurde im Zuge der Obduktion eine Creutzfeld-Jacob-Erkrankung(CVD) festgestellt. Die 84-jährige Patientin war im Jänner im Wiener AKH wegen eines Grauen Stars operiert worden. Nun besteht Verdacht, dass die bei der Operation verwendeten Geräte während des Eingriffs kontaminiert waren.

"Routinemaßnahme"

Das AKH sucht nun nach jenen etwa zehn Patienten, bei denen die Geräte ebenfalls verwendet wurden. Das sei allerdings eine Routinemaßnahme. "Weltweit wurde auf diesem Weg noch keine einzige Ansteckung mit der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung registriert", erklärte am Dienstag nach Bekanntwerden der Angelegenheit der Leiter des Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Reinhard Krepler.

Die 84-Jährige war nach der Operation wegen des Grauen Stars an der Universitätsklinik für Neurologie am Wiener AKH wegen neurologischer Symptome behandelt worden. Im Juni starb sie. Erst im Rahmen der Obduktion wurde vom Österreichischen Referenzzentrum für Prionen-Erkrankungen am Institut für Neurologie (Leiter: Univ.-Prof. Dr. Herbert Budka) am Wiener AKH durch die Untersuchung von Gehirnproben das Vorliegen einer CVD-Erkrankung diagnostiziert.

"Die Patientin litt an zunehmenden Hirnleistungsstörungen", sagt Herbert Budka, Leiter des Instituts für Neurologie am AKH. "Klinisch gab es auch den Verdacht auf eine CVD-Erkrankung. Die kann man aber erst nach dem Tod endgültig feststellen", so Budka.

Sterilisation nicht möglich

Das Problem: Mit den routinemäßig verwendeten Sterilisationsverfahren sind Prionen-Proteine nicht abzutöten. Dazu wären ein starker Überdruck und Temperaturen von mehr als 133 Grad Celsius nötig.

Risiko "minimal"

Das Wiener AKH am Dienstag in einer Aussendung: "Eine völlige Sicherheit gegen Prionen-Übertragung bieten Standard-Sterilisationsmaßnahmen jedoch nicht. Da registriert ist, welche Patienten mit diesen Instrumenten danach operiert wurden, werden diese darüber informiert." Es dürfte sich um etwa zehn Personen handeln. Da mit herkömmlich sterilisierten medizinischen Instrumenten CVD noch nie nachweisbar übertragen wurde, sei ihr Risiko minimal.

Gegen die Creutzfeld-Jacob-Erkrankung gibt es weder eine Vorbeugung noch eine Therapie. In Österreich werden pro Jahr ein bis zwei CVD-Fälle pro Million Einwohner registriert. Budka: "Es waren in jüngster Zeit etwas mehr Fälle als sonst. Solche Schwankungen sind aber bei der kleinen Anzahl der Fälle nicht außergewöhnlich." Die in der Folge der britischen BSE-Problematik in Großbritannien aufgetretenen Erkrankungen der neuen CVD-Variante gab es in Österreich bisher nicht. In Wien wurden im vergangenen Jahr hingegen vier Patienten mit der sporadisch auftauchenden Krankheitsform diagnostiziert. (APA)

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