Kritiker, Zweifler, Pessimisten

11. Juli 2006, 15:50
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Südafrika steht angesichts des hoch gelobten Spektakels in Deutschland unter Erfolgsdruck - Enorme Herausforderungen sorgen für negative Stimmung

Johannesburg - In Südafrika ist die erste Briefmarke der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bereits gedruckt. Das Postzeichen im Nennwert von fünf Rand (5,50 Cent) zeigt einen wilden Hund mit einem Fußball zwischen den Vorderbeinen. Das Rudeltier steht in Afrika für Teamgeist - und der ist im Vorfeld des nächsten Mega-Sportspektakels dringend nötig.

Denn die gerade beendete und hoch gelobte deutsche Fußball-WM setzt den nächsten Gastgeber unter Erfolgsdruck. Er sieht sich zudem negativen Stimmen ausgesetzt, die angesichts der enormen Herausforderungen seine Fähigkeiten anzweifeln. Auch in Südafrika selbst mangelt es nicht an Kritikern, Zweiflern und Pessimisten.

Eine nationale Zeitung hatte schon über eine Verlegung der WM nach Australien spekuliert - ein von der FIFA schnell dementiertes Gerücht, das aber nicht nur in Afrika Unruhe auslöste. Dort wurden Kritiker in Rundfunkbeiträgen bereits als "unpatriotisch" und Ewiggestrige beschimpft. Viele Südafrikaner wittern Afro-Pessimismus und Rassismus - selbst in den eigenen Reihen. Präsident Thabo Mbeki sprach in Berlin besorgt von "einigen Leuten innerhalb des Landes", die es als ihre Daueraufgabe ansehen, Südafrika in negativen Farben zu malen: "Die haben den Übergang zur demokratischen Gesellschaft nie akzeptiert; die hoffen weiter, dass das Land untergeht."

Auch Berichterstatter vom Kap fühlten sich in Deutschland irritiert von den besorgten Fragen nach dem Stand der Vorbereitungen in ihrer Heimat. "Sie fragten uns südafrikanische Journalisten in der gleichen Tonlage ,Seid ihr bereit?', in der man fragen würde, ob ein junges Nilpferd bereit sei, eine Boeing über den Nordpol zu fliegen", wunderte sich Carlos Amato in einem Beitrag für die Johannesburger "Sunday Times".

Entgegen anderen Darstellungen haben die ersten Arbeiten am Kap bereits begonnen. Während noch vor dem Abpfiff in Deutschland erste Vorbereitungen für den Neubau des futuristischen Senzangakhona-Stadiums in Durban einsetzten, lieferte die FIFA zudem einen weiteren Vertrauensbeweis in die Fähigkeiten der Südafrikaner. Sie vergab nach sechsmonatigen Verhandlungen die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaften 2010 und 2014 an Südafrikas öffentlich-rechtlichen TV-Sender SABC. Der Vertrag enthält sowohl Fernsehrechte für frei empfangbare wie auch Pay-TV-Übertragungen. Mit der First National Bank hat sich auch der erste nationale Sponsor gefunden.

Nach Angaben von WM-Cheforganisator Danny Jordaan sind 75 Prozent aller Sponsoren-Abkommen unterzeichnet. Auch der Staat stockte bei den Finanzen auf. Das Budget für Transportverbesserungen im Vorfeld der WM 2010 wurde gerade von 3 auf 3,74 Milliarden Rand (415 Mio. Euro) nachgebessert. Der Bereich gehört mit dem Sicherheitssektor zu den Problemzonen des Landes.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat Spekulationen über die Vergabe der Fußball-WM 2010 an ein anderes Land als Südafrika noch am Dienstag zurückgewiesen. "Medienberichte, wonach die WM 2010 an ein anderes Land vergeben werden könnte, entbehren jeglicher Grundlage", betonte der Weltverbandschef. Verschiedene Medien hatten ohne Quellenangabe berichtet, dass die erste WM in Afrika wegen Problemen der Organisatoren gefährdet sei. Als mögliche Ersatzorte waren die USA, Australien und Deutschland genannt worden. (APA/dpa)

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