Streit um WM 2014

11. Juli 2006, 15:33
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Brasilien droht nach dem WM-Debakel neues Ungemach: Stimmen gegen eine Austragung der WM in acht Jahren mehren sich

Rio de Janeiro - Das Debakel der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Deutschland ist noch nicht verarbeitet, da droht dem Land des entthronten Weltmeisters neues Ungemach. In Brasilien mehren sich die Stimmen, auf die Organisation der WM 2014 zu verzichten. Es gilt als sicher, dass das größte Land Lateinamerikas den Zuschlag für die Endrunde in acht Jahren erhalten wird.

Prominentester WM-Gegner ist ausgerechnet Pele. Das Turnier dürfe nicht auf Kosten des Steuerzahlers über die Bühne gehen. "Wir dürfen nicht das Volk opfern", sagte der dreifache Weltmeister. Die Investitionen müssten privat getragen werden, wie das bei der WM 1994 in den USA geschehen sei.

Das "Selecao"-Fiasko in Deutschland bestätigte die Skeptiker in ihrer Haltung. "Unsere angeblichen Stars verdienen im Ausland Millionen, machen sich bei der WM lächerlich und wir müssen hier Stadien ohne Klos ertragen. Die WM in Brasilien? Das ist ein Witz", sagte ein Fan im Rundfunk.

Der Präsident des Nationalverbandes CBF, der umstrittene Ricardo Teixeira, versicherte indes, das WM-Projekt sehe eine starke Beteiligung privater Firmen vor. Brasiliens Staatschef Luiz Lula da Silva, der Ende 2006 seine Wiederwahl erreichen will, wird aber von in- und ausländischen Fußballfunktionären unter Druck gesetzt, damit er finanzielle Garantien für 2014 gibt.

"Ob Brasilien will oder nicht: Es wird die WM 2014 ausrichten. Das ist beschlossene Sache", versicherte der FIFA-Ehrenpräsident und frühere Teixeira-Schwiegervater, Joao Havelange. Sichtlich erregt habe der 92-Jährige auf die Frage reagiert, ob Brasilien in der Lage sei, die nötigen Stadien zu bauen. "Das müssen sie nicht mich, sondern den Herrn Präsidenten, die Gouverneure und die Bürgermeister fragen", habe er barsch entgegnet.

Entsprechend dem von der FIFA beschlossenen Turnus-System ist Südamerika mit der Ausrichtung 2014 dran. Südamerikas Verband Conmebol befürwortet eine brasilianische Alleinkandidatur. Aber es gibt auch Spekulationen, wonach Argentinien und Chile eine gemeinsame Bewerbung nicht ausschließen.

Dass es mit der brüderlichen Einheit in Südamerika nicht weit her ist, zeigen Aussagen ranghoher Funktionäre. "Wir meinen, dass Brasilien zu diesem Zeitpunkt schon einige Dinge in Gang hätte bringen müssen. Es fehlt aber politischer Wille", meinte etwa Conmebol-Generalsekretär Eduardo Deluca aus Argentinien.

Lula ist ein echter Fußballfan. Nach einem Korruptionsskandal im vergangenen Jahr kann er es sich aber nicht leisten, Steuergelder zu verschwenden. Sein Land hat kaum ein vernünftig funktionierendes öffentliches Krankenhaus, Privatschulen sind schon für die Mittelschicht ein Muss, und auch im Sicherheitsbereich fehlt das Geld vorne und hinten.

Brasilien müsste für 2014 wohl alle zehn bis zwölf benötigten Stadien neu aus dem Boden stampfen. Das hatten schon FIFA-Chef Joseph Blatter und Teixeira eingeräumt. Als "Feuerprobe" gelten die Panamerikanischen Spiele Mitte 2007 in Rio. Die Bauarbeiten liegen deutlich hinter dem Zeitplan. Viele Projekte, wie etwa der U-Bahn-Ausbau, wurden längst ad acta gelegt. (APA/dpa)

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