Private sind immer öfter pleite

4. August 2006, 19:45
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Im ersten Halbjahr hat der Alpenländische Kreditorenverband um fünf Prozent mehr Insolvenzen registriert - Privatkonkurse stiegen um mehr als zwanzig Prozent

Wien - Im ersten Halbjahr 2006 gab es in Österreich insgesamt 7.206 Insolvenzfälle, um 333 (4,85 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum (6.873). Dabei verzeichnete der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) einen leichten Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen und ein kräftiges Plus bei den Privatkonkursen. Letztere machen bereits 47 Prozent aller Fälle aus.

Die Gesamtsumme der Passiva lag im 1. Halbjahr 2006 bei 1,74 Mrd. Euro. Fast 15.000 Arbeitsplätze wurden durch Insolvenzen gefährdet. Bei den Branchen war das Gaststätten- und Hotelleriewesen führend vor dem Baugewerbe und Transportunternehmen.

Die eröffneten Insolvenzverfahren über das Vermögen privater Personen - durchwegs Konkurse - seien um 563 Fälle auf 3.221 Fälle und somit um 21,18 Prozent enorm gestiegen, so der AKV. Abgewiesen wurden im Beobachtungszeitraum 597 Konkursanträge gegen private Schuldner, was einem leichten Rückgang um 24 Fälle oder 3,86 Prozent entspreche.

Weniger Firmenpleiten

Die Anzahl der von den Gerichten eröffneten Insolvenzverfahren gegen Unternehmen ist im Vergleich zum 1. Halbjahr 2005 um 1,03 Prozent oder 16 Fälle auf 1.536 Insolvenzen ebenfalls gesunken. Stärker rückläufig haben sich hier im Jahresabstand die Konkursabweisungen mangels kostendeckenden Vermögens entwickelt, die um 190 Fälle oder 9,3 Prozent auf 1.852 Abweisungen zurückgegangen sind.

Breite Schichten der mittelständischen Unternehmen suchen in Insolvenzverfahren eine Chance für eine Neupositionierung oder können ihre Liquidation nur noch auf diesem Wege meistern, so der AKV weiter. Von den Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2006 entfielen auf Aktiengesellschaften nur 0,24 Prozent, auf andere Kapitalgesellschaften (GesmbH, GesmbH & Co KG) 31 Prozent, während die Einzelfirmen den Spitzenplatz mit 57 Prozent einnahmen. Besonders betroffen sind also jene Unternehmen, für deren Verbindlichkeiten der Unternehmer unbeschränkt und persönlich haftet.

Weiterhin insolvenzauslösend wirke der hohe Preisdruck insbesondere in jenen Branchen, die nach wie vor die Spitzenplätze in der AKV-Halbjahresstatistik einnehmen, nämlich das Gast- und Beherbergungsgewerbe, das Bauhaupt- und Nebengewerbe und die Transportunternehmen.

Der AKV fordert nun eine "bessere Vorbereitung der Jugendlichen auf die Anforderungen des Wirtschaftslebens". "Der bei der älteren Generation unserer Verbraucher noch vorhandene natürliche Instinkt der Zurückhaltung bei der Aufnahme von Waren- oder Geldkrediten und dem Eingehen von Dauerschuldverhältnissen scheint bei der jüngeren und jüngsten Generation angesichts ungebremster Konsumwünsche verloren gegangen zu sein", meint man beim AKV. (APA/red)

  • Breite Schichten der mittelständischen Unternehmen suchen in Insolvenzverfahren eine Chance für eine Neupositionierung oder können ihre Liquidation nur noch auf diesem Wege meistern, so der AKV.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Breite Schichten der mittelständischen Unternehmen suchen in Insolvenzverfahren eine Chance für eine Neupositionierung oder können ihre Liquidation nur noch auf diesem Wege meistern, so der AKV.

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