Grenzüberschreitungen als Thema zweier Ausstellungen

11. Juli 2006, 13:38
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"Rethinking Nature" im Theseustempel und "beyond darüber hinaus" im Palais Epstein

Wien - Das Ausloten und Überschreiten von Grenzen verbindet zwei Ausstellungen, die im Wiener Palais Epstein und im Theseustempel zu sehen sind. Die am Montag im Palais Epstein eröffnete Schau ist einer Künstlergruppe gewidmet, die seit Jahren unter dem Motto "beyond darüber hinaus" in Skulpturen, Bildern und Texten Begrenzungen untersucht. Im Theseustempel zeigt das Kunsthistorische Museum (KHM) unter dem Titel "Rethinking Nature" Arbeiten des italienischen Künstlers Franco Viola.

"beyond darüber hinaus"

Offenheit und Unendlichkeit, Ahnungen und Unbeweisbares sind einige der Themenfelder, in denen sich das Kunst- und Literaturprojekt "beyond darüber hinaus" bewegt. Mit Werken von Oswald Stimm, Mimmo Roselli, Marc Haltmeyer, Ona B., Silvia Maria Grossmann und Barbara Graf ist im Palais Epstein eine Auswahl der beteiligten Künstler zu sehen. So symbolisiert etwa ein großformatiger digitaler Druck auf Netzvinyl, der auf einer Seereise Silvia Grossmanns nach New York entstand, die Faszination der unerreichbaren Horizontlinie mit der Sehnsucht nach dem Drüben und der Neugierde nach dem Dahinter, wie es in der Parlamentskorrespondenz heißt.

Tuschzeichnungen von Marc Haltmeyer, die mit Holz und Kupfer ein Bühnenbild-Modell darstellen und eigens für die Ausstellung angefertigt wurden, schlagen eine Brücke von den gezeigten Kunstwerken zu Texten, die eine von Rosa Maria Plattner herausgegebene Anthologie ("beyond") versammelt.

"Rethinking Nature"

Im Grenzbereich zwischen innen und außen, zwischen Kunst und Natur arbeitet der 1953 in Gaeta geborene Franco Viola, der sich parallel zu seiner künstlerischen Ausbildung naturwissenschaftlichen Studien und Forschungen widmete. Violas Kunst wurzelt im Naturerlebnis, im frühen Versuch "in einer analytischen und lyrischen Weise den personifizierten Geist der Natur wiederzugeben, wie ihn bereits Goethe empfunden hatte", heißt es in den Unterlagen des KHM.

Anfänglich von nordeuropäischen Expressionismus eines Nolde, Kirchner und Munch beeinflusst, wandte sich Viola später dem Abstrakten Expressionismus der New York School zu. Seine Form des "Color Field Painting" spiegelt sein Interesse für Clyfford Stills Konzept des Sublimen und für Mark Rothkos lyrische Abstraktion und dessen Leuchtkraft der Farben. Sein malerischer Gestus folgt dabei seiner Analyse der Auseinandersetzung mit der Natur in der Malerei der Moderne. (APA)

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