Hebräische Universität gibt persönliche Briefe Einsteins frei

19. Juli 2006, 13:46
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1400 Dokumente mit zahlreichen Anekdoten aus dem Leben des Nobelpreisträgers

Jerusalem - Die Hebräische Universität in Jerusalem hat zahlreiche persönliche Briefe aus dem Nachlass des Physikers Albert Einstein freigegeben. Etwa 1400 Dokumente des Nobelpreisträgers dürften 20 Jahre nach dem Tod von Einsteins Stieftochter Margot von der Öffentlichkeit eingesehen werden, sagte Professor Chanoch Gutfreund der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Dienstag.

Die in deutscher Sprache verfassten Briefe seien sehr persönlicher Natur, erklärte Gutfreund. Sie ließen keine neuen Schlüsse über Einsteins Forschungen zu, wohl aber über seine Beziehungen zu seinen Frauen, Geliebten und Kindern. "Einstein war ein sehr komplexer Mensch, dem es oft schwer fiel, seine Gefühle in Worte zu fassen", erklärte der Einstein-Experte.

In den Briefen schreibe er seinen Frauen und Kindern jedoch auf durchaus liebevolle und mitfühlende Weise. In einer der Schriften äußere er etwa Verständnis für die Schwierigkeiten seiner ersten geschiedenen Frau Mileva Maric bei der Erziehung der beiden gemeinsamen Söhne.

Stiefel zum Smoking

Die Briefe lieferten viele Anekdoten aus dem Leben Einsteins, der über eine sehr scharfe Beobachtungsgabe verfügt habe, so Gutfreund. In einem Schreiben an seine zweite Frau Elsa habe er etwa mitgeteilt, wie schwer es ihm gefallen sei, bei einem Besuch in der britischen Universität Oxford einen Frack zu tragen. Er habe sich erst daran gewöhnen müssen, so wie zuvor an das Benutzen einer Zahnbürste. Um zu verbergen, dass er keine Socken trug, habe er zu dem Smoking Stiefel angezogen.

Der 1955 in Princeton gestorbene Einstein hat der Hebräischen Universität seinen schriftlichen Nachlass vermacht. Seine Stieftochter Margot übergab der Hochschule 1984 auch die Briefe in ihrem Besitz, jedoch unter der Bedingung, sie wegen ihrer privaten Natur erst 20 Jahre nach ihrem eigenen Tod zu veröffentlichen. (APA/dpa)

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    Ausschnitt aus einem Brief Einsteins an seine Stieftochter Margot vom 8. Mai 1931.

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