Mehr Mittel zur Armutbekämpfung

28. Juli 2006, 10:55
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Im Namen deutscher NGOs verlangte Grönemeyer eine Aufstockung der jährlichen Entwicklungshilfe um mehrere hundert Millionen Euro

Berlin - Wenige Tage vor dem Beginn des G-8-Gipfels in Sankt Petersburg hat Musiker Herbert Grönemeyer die deutsche Bundesregierung zu mehr finanziellem Engagement im weltweiten Kampf gegen Armut und Aids aufgefordert. Im Namen von rund 100 deutschen Nichtregierungs- Organisationen (NGOS) verlangte Grönemeyer am Montag in Berlin eine Aufstockung der jährlichen Entwicklungshilfe um mehrere hundert Millionen Euro. Deutschland warf der Musiker "Bilanzfälschung" vor, weil es die Schuldenerlasse für den Irak und Nigeria in die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit eingegerechnet habe.

Grönemeyer sprach unter anderm für das Bündnis "Deine Stimme gegen Armut", das auf die Einhaltung der G8-Versprechen pocht. Die sieben führenden Industrieländer und Russland hatten 2005 eine Erhöhung der Entwicklungshilfe um jährlich 50 Milliarden US-Dollar (39,1 Mrd. Euro) bis zum Jahr 2010 zugesagt. Ehrgeiziges Ziel ist es, die Zahl der Hungernden bis zum Jahr 2015 weltweit zu halbieren sowie die Ausbreitung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose zu stoppen. Die G-8-Staaten tagen vom 15. bis 17. Juli im russischen Sankt Petersburg.

Deutschland liegt zurück

Bei der Aufstockung der Mittel für Entwicklungshilfe liege Deutschland weit hinter Frankreich und Großbritannien zurück, sagte Grönemeyer. Deutschland könne sich aber nicht weiter hinter eigenen Problemen verschanzen. Die NGOs sehen nach dem Vorbild Frankreichs in einer Abgabe auf Flugtickets eine Möglichkeit der Finanzierung.

Nach Berechnungen des "Aktionsbündnisses gegen Aids" erhalten weltweit nur 1,3 von 6,5 Millionen HIV- und Aids-Patienten lebensverlängernde Medikamente. 15 Millionen Kinder habe Aids weltweit zu Waisen gemacht, sagte Nane Annan, Ehefrau des UNO-Generalsekretärs Kofi Annan, am Montag auf einer UNICEF-Veranstaltung in Berlin. Alle drei Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen extremer Armut, hat der Verband Entwicklungspolitik Deutscher NGOs errechnet.

"Ich möchte rumpöbeln", sagte Grönemeyer mit Blick auf diese Zahlen. Zum Bündnis gegen Armut, das die Öffentlichkeit aufrütteln wolle, gehörten unter anderem auch Filmemacher Wim Wenders sowie die Sänger Xavier Naidoo und Bob Geldof. Für 2007, wenn der G-8-Gipfel an der deutschen Ostseeküste stattfindet, sei schon ein Gelände für ein Unterhaltungsproramm in der Nähe von Heiligendamm gemietet worden, kündigte Grönemeyer an. (APA/dpa)

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    Deutschland warf der Musiker "Bilanzfälschung" vor, weil es die Schuldenerlasse für den Irak und Nigeria in die Mittel der Entwicklungs- zusammenarbeit eingegerechnet habe.

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