Flugsicherheit nimmt zu

12. Juli 2006, 09:08
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Trotz der Unglücke der letzten Tage immer weniger "Totalverluste" - In Afrika, Russland und Lateinamerika gibt es noch Probleme

Wien/Genf/Moskau - Rund zwei Milliarden Menschen sind jährlich mit Verkehrsflugzeugen weltweit unterwegs. 2004, dem bis dato sichersten Jahr aller Zeiten in der zivilen Luftfahrt, wurden bei 25 Flugzeugunglücken 428 Personen getötet. Im Vorjahr kamen Angaben des Weltluftfahrtverbandes IATA zufolge bei 26 Flugzeugabstürzen 1035 Menschen ums Leben; dies ist zwar ein Anstieg von mehr als 600 Opfern, "dennoch: Die Rate an Totalverlusten von Flugzeugen war 2005 die Niedrigste. Ein derartiger Unfall ereignet sich alle 1,3 Millionen Flüge weltweit", erläutert Giovanni Bisignani, Generaldirektor der 265 Fluglinien und 10.584 Flugzeuge umfassenden IATA (Stand vom 31. Dezember 2005).

Dramatik der letzten Tage

Der letzte Stand der IATA-Statistik vom Mai 2006 weist für heuer acht Unfälle und 149 Todesopfer aus. Mittlerweile muss die Liste aber nach oben korrigiert werden. Der Absturz einer uralten Fokker F-27 der pakistanischen Fluglinie PIA in Zentralpakistan (45 Tote) am gestrigen Montag folgte nur 24 Stunden nach der Bruchlandung in Irkutsk, bei der in einem Airbus A310 (Baujahr 1987) der russischen Fluglinie S7/Sibir Airlines 124 Menschen ums Leben kamen. Beim letzten großen Unglück davor stürzte am 3. Mai ein armenischer Airbus A320 ins Schwarze Meer (113 Tote).

Glimpflicher verliefen zwei Unfälle im Juni: die Zerstörung eines Frachtjumbos von Tradewinds in Medellín und die einer Frachtmaschine der US-Gesellschaft Arrow Air in Managua.

Veraltetes Fluggerät

Das wirft Frage die auf, wie es denn um die Sicherheit des Flugverkehr in unterentwickelten Ländern bestellt ist? Bisignani spricht im Standard-Gespräch Klartext: "In Afrika ist es sechsmal weniger sicher als woanders." Das hänge mit Faktoren der Infrastruktur ebenso zusammen wie mit der Ausbildung von Crews oder dem Einsatz von veraltetem Fluggerät. Faktum ist, dass 2005 in Afrika - der Region mit dem geringsten Flugaufkommen weltweit - pro eine Million Flüge statistisch 9,2 fatale Abstürze zu verzeichnen waren. Zum Vergleich: In Lateinamerika waren es 2,6, in Europa 0,3. Im Jahr 2005 verzeichnete die gesamte Luftfahrtindustrie 0,76 fatale Abstürze mit Flugzeugen aus westlicher Produktion pro eine Million Flüge - immerhin eine Verbesserung von 35 Prozent in zehn Jahren

Trotz zunehmenden Flugverkehrs nimmt auch die Sicherheit dank verbesserter Standards kontinuierlich zu. Das gilt auch für Regionen wie Russland, China oder Indien.

Der IATA-Chef kritisiert aber, dass es noch nie so leicht war, eine Fluglinie zu gründen wie heutzutage. Ungefähr 900 Fluglinien existieren weltweit. Allein in Europa sind es einhundert. "Wir hätten gerne, dass manche Regierungen strenger bei ihren Airlines vorgehen, vor allem im Bereich der Sicherheit."

IATA hat alle Mitglieder unter Androhung des Ausschlusses aufgefordert, sich bis Ende 2007 einem Programm operativer Sicherheitsstandards anzuschließen. "Somit hätten wir nur qualitative Mitglieder", fügt Bisignani hinzu. Sibir Airlines und PIA sind IATA-Mitglieder. (Kurt Hofmann/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7. 2006)

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    Der Absturz der Fokker der pakistanischen Fluglinie PIA und die Bruchlandung in Irkutsk trüben die Statistik, dennoch: Fliegen wird immer sicherer, so Experten.

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