Mordprozess in Linz: Angeklagte trotz DNA-Beweisen freigesprochen

12. Juli 2006, 09:11
15 Postings

Geschworene sprachen 35-jährige, die wegen Raubmordes vor Gericht stand, mit 5:3 Stimmen frei

Linz - Mit einem überraschenden Freispruch hat ein Mordprozess Montagabend im Landesgericht Linz geendet. Die Anklage hatte einer 35-jährigen Slowakin vorgeworfen, im Sommer 2005 eine 85-jährige Pensionistin beraubt und ermordet zu haben. In der Wohnung des Opfers wurden DNA-Spuren der Beschuldigten sichergestellt. Die Geschworenen sprachen die Frau dennoch mit 5:3 Stimmen frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Pensionistin war am 9. Juli vergangenen Jahres von ihrer Schwester tot in der Wohnung aufgefunden worden. Die betagte Frau hatte eine stark blutende Kopfwunde. Die Obduktion ergab allerdings, dass sie erstickt wurde. Die Angeklagte wohnte im selben Haus wie die Ermordete. Als die Hausverwalterin die Ermittler darauf aufmerksam machte, die Slowakin sei überstürzt ausgezogen, geriet diese unter Verdacht. Anfang August wurde sie auf Grund eines internationalen Haftbefehls in ihrer Heimat festgenommen.

"Leichtes Opfer"

Die Beschuldigte leugnete die Tat stets, wurde aber belastet: In der Wohnung der 85-Jährigen fand sich ein "Mischprofil" aus DNA-Spuren der Slowakin und des Mordopfers. Aber auch Spuren von einer weiteren, vorerst nicht identifizierten Frau wurden sichergestellt.

Der Staatsanwalt hatte in der Verhandlung betont, dass "niemand anderer" als die Beschuldigte als Täter in Frage komme. Die Slowakin habe gewusst, dass die nur 1,45 Meter große Pensionistin ein "leichtes Opfer" sei. Sie habe sie beraubt, ermordet und überstürzt Österreich verlassen. Als Motiv nannte der Staatsanwalt eine finanzielle Notlage.

"Einseitig und fehlerhaft"

Der Verteidiger der 35-Jährigen hingegen hatte die Ermittlungen der Kripo als "einseitig und fehlerhaft" bemängelt. Er sprach vom "eigenartigsten Raub, den ich je gesehen habe". Die Beamten hätten sich nur auf die Beschuldigte als mögliche Täterin konzentriert. Er bezweifelte zudem die Aussagekraft der in der Wohnung des Opfers sichergestellten DNA-Spuren: Hier würden häufig Fehler gemacht.

Erstmalig

Die Angeklagte brach bei der Urteilsverkündung in Tränen aus. Das sei wahrscheinlich der erste Freispruch in der Justizgeschichte trotz eines angeblichen DNA-Beweises, betonte ihr Verteidiger. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. (APA)

Share if you care.