Globaler Turbo

10. Juli 2006, 19:55
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Leider ist die deutsche Übersetzung des Titels denkbar schlecht gewählt - Es geht nicht um die Phase nach der Globalisierung

Das wäre nämlich hochinteressant, würde aber anscheinend selbst einen Kenichi Ohmae, japanischer Managementguru und früherer McKinsey-Chef in Japan, überfordern.

Denn die Beobachtungen, die Ohmae zum derzeitigen Phänomen der "Global Economy"macht, sind zwar präzise und interessant, aber beleibe nicht unbekannt und schon gar nicht kritisch. Im Gegenteil, Ohmae ist ein glühender Verfechter des Turbokapitalismus, der mit einer globalisierten Wirtschaft einhergeht. Etwas zu euphorisch spricht er von einer Zeitrechnung "vor und nach Bill Gates".

Interessant ist das Buch dort, wo Ohmae die systemimmanenten Schwächen des Systems erklärt: Dass noch immer die großen Wirtschaftstheorien Anwendung finden, die allesamt von geschlossenen Wirtschaftsmodellen ausgehen und deshalb für moderne Erklärungen oder gar Handlungsanleitungen ungeeignet sind.

Weiters, dass wirschaftspolitische Steuerungsmechanismen wie etwa staatliche Zinspolitik längst durch freie Finanzflüsse ausgehebelt sind, die Staaten aber mangels anderer theoretischer Modelle weiterhin daran festhalten. Ohmae sieht die Macht des Nationalstaates wanken, und glaubt an die Renaissance der Regionen. Gleichzeitig aber lobt er starke Regierungen wie etwa China. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7.2006)

Kenichi Ohmae: Was kommt nach der Globalirung? Econ Verlag 2006, 400 Seiten, Euro 25,60
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