Heftige Gefechte in der Hauptstadt Mogadischu

14. Juli 2006, 16:48
posten

Spital im Kreuzfeuer zwischen Islamisten und weltlich orientierten Kämpfern - Dutzende Tote befürchtet

Mogadischu - In der somalischen Stadt Mogadischu haben sich moslemische Milizen mit weltlich orientierten Kämpfern der früher dort herrschenden Kriegsfürsten am Montag heftige Gefechte geliefert. Bewohner und Augenzeugen rechnen mit mehr als 60 Todesopfern.

In das Kreuzfeuer geriet auch ein Krankenhaus. "Das Spital wird mit Granatwerfern und Artillerie beschossen", berichtete der Klinikmitarbeiter Abdikadir Scheich aus dem Madina-Krankenhaus. "Querschläger fliegen durch die Luft, überall ist Chaos, die Kollegen laufen weg", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Im Hintergrund waren Schüsse und Einschläge zu hören.

Kämpfe seit Sonntagabend

Die Kämpfe hatten am Sonntagabend begonnen. Am Montagvormittag war es zunächst wieder ruhig, bevor die Schießereien am Nachmittag wieder aufflammten. Bewohner der betroffenen Stadtteile befürchten, dass viele der etwa hundert Verletzten noch sterben werden, weil sie nicht in ein Krankenhaus gelangen. Nach Angaben aus Spitälern wurden am Montag wieder mindestens sieben Menschen getötet, nachdem es am Vortag schon 20 Tote gab.

Auslöser der Gefechte war ein Hinterhalt, den die islamistischen Milizen am Sonntag den Kämpfern der Clanchefs Hussein Aidid und Abdi Awale Kajbdiid gelegt hatten. Die Milizen der Islamischen Gerichte hatten die meisten Kriegsfürsten vor einem Monat aus Mogadischu vertrieben. Sie forderten deren Kämpfer auf, die Waffen niederzulegen. Einige von ihnen haben sich allerdings verschanzt.

Beschuldigungen

Kajbdiids Gruppierung beschuldigt die moslemischen Milizen, sie hätten den Kampf begonnen. "So lange sie auf uns schießen, haben wir keine andere Wahl, als uns zu verteidigen", sagte ein Berater Kajbdiids. Die Islamischen Gerichte entstanden Mitte der 90er Jahre in dem Land, in dem sich Kriegsfürsten verschiedener Stämme damals schon seit Jahren bekriegten. Unterdessen haben die bewaffneten Kämpfer der Gerichte die Stadt Mogadischu so gut wie vollständig unter ihrer Kontrolle.

Die USA betrachten die Islamischen Gerichte als extremistische Bewegung. Einer ihrer Anführer, Scheich Hassan Dahir Aweys, hat nach US-Informationen Kontakte zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Dies ist auch ein Grund, warum die USA die Kriegsfürsten gegen die Islamischen Gerichte unterstützten.

Übergangsregierung lehnt Gespräche ab

Auch die im kenianischen Exil gebildete, kaum über Einfluss verfügende Übergangsregierung Somalias in der südlichen Stadt Baidoa lehnt Gespräche mit den radikalen Moslems ab. Ministerpräsident Mohamed Ali Gedi sagte dem britischen Sender BBC am Montag, die Regierung werde sich nicht mit radikalen Moslems treffen. Diese wollen das islamische Recht, die Scharia, einführen und lehnen ausländische Friedenstruppen ab. Die von der UNO unterstützte Übergangsregierung hält ausländische Truppen zur Befriedung des Landes für notwendig.

In der somalischen Bevölkerung stoßen die Islamisten allerdings auf wachsenden Zuspruch. Das Land war nach dem Sturz des Diktators Mohamed Siad Barre 1991 in Chaos und Gewalt versunken. Nach fast viermonatigen Kämpfen gegen die von den USA unterstützten Kriegsherren der Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (ARPCT) hatten die Islamisten den Großteil Mogadischus eingenommen sowie Jowhar und Teile der nördlichen Region Hiraan. (APA/Reuters/AP)

Share if you care.