Datei, Ansprache, Schutzzone

10. Juli 2006, 19:23
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200 gewaltbereite Fans in Österreich - Prokop: "Auf der Spaßseite"

Wien - Ebenso wie Deutschland 2006 will auch Österreich 2008 im Vorfeld möglichst eng mit den großen Fußballnationen kooperieren, um Gefahren zu minimieren. So hatte etwa England wie schon vor der EM 2004 in Portugal auch heuer hunderte "Problemfans"an der Ausreise gehindert.

Rund um die WM hat die deutsche Polizei bundesweit circa 7000 Straftaten registriert. 850 Personen wurden am Rande des WM-Geschehens verletzt, wie der Chef der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS), Michael Endler, am Montag mitteilte. Insgesamt nahm die Polizei rund 9000 Personen fest oder in Gewahrsam. "80 Prozent waren Deutsche, die zweitgrößte Gruppe dürften die Engländer gewesen sein", sagte Endler.

Österreichs Innenministerin Liese Prokop hat kürzlich anlässlich einer Tagung europäischer Polizeiexperten in Wien festgestellt, dass "leider auch die Problemfans immer stärker vernetzt sind". Umso wichtiger werde der internationale Datenaustausch.

Österreich hat in der jüngsten Novelle zum Sicherheitspolizeigesetz die Einrichtung einer nationalen Hooligandatei beschlossen. Derzeit gibt es knapp 200 prinzipiell gewaltbereite Fans im Land, weitere 900 sind Schätzungen zufolge unter bestimmten starken Auslösern zu Gewalt zu motivieren. Zum Vergleich: in Deutschland fallen ungefähr 10.000 Fans in diese Kategorie. Die Polizeikooperationsgesetze erlauben Österreich bereits, sich mit den Beneluxstaaten, Frankreich, Deutschland und Spanien datenmäßig über Hooligans auszutauschen. Auch mit der Schweiz, Liechtenstein, den neuen EU-Staaten sowie Rumänien und Bulgarien gibt es Verträge.

Neben der Hooligandatei, in der Fachsprache "Gefährderdatei", wurde in Österreich auch die Möglichkeit der "Gefährder-Ansprache"gesetzlich festgeschrieben. Die Sicherheitsbehörden sind befugt, schon präventiv auf "Erstauffällige"einzuwirken und ihnen die Folgen möglicher Handlungen vor Augen zu führen. Um die EM-Stadien werden - maximal - 500-Meter-Schutzzonen geschaffen.

Prokop will bei der EM 2008 "auf der Spaßseite sein. Wir wollen nicht die bestüberwachten Spiele, sondern die sichersten bei gleichzeitig größtmöglicher Offenheit."Um das größte EM-Stadion, die 53.000 Zuseher fassende Wiener Happel-Arena, sollen an Spieltagen rund 1300 Polizisten für reibungslose Abläufe sorgen. (fri, APA, DER STANDARD Printausgabe 11. Juli 2006)

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