"Wir hatten eine tolle Beziehung"

12. Juli 2006, 15:05
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Interview mit Italiens Coach Marcello Lippi über den italienischen Skandal, die negativen Schlagzeilen, Zidane und natütlich den Titel

Standard: Sie haben als erster Trainer mit einem Klub die Champions League und nun mit der Squadra Azzurra auch den höchsten Titel mit einem Nationalteam gewonnen.

Lippi: Titel mit einem Verein, das ist Tagesgeschäft. Aber einen Titel mit der Nationalmannschaft zu gewinnen, das ist schon etwas Außergewöhnliches. Es gibt in der Fußball-Geschichte nur einen kleinen Kreis von Trainern, denen es vergönnt war, Weltmeister zu werden. Ich gehöre nun dazu, und das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Standard: Der Fußball-Skandal in Ihrem Land hat für viele negative Schlagzeilen gesorgt. Wie weit hat das die Mannschaft beeinflusst?

Lippi: Wir hatten schwere Momente, aber wir hatten eine tolle Beziehung. Wir wollten nach dem Skandal der Welt das wahre Gesicht des italienischen Fußballs zeigen. Diese Mannschaft hat Herz und Charakter gezeigt. Sie ist aber auch ein Produkt des Skandals mit seinen Querelen und Affären zu Hause, die haben uns zusammengeschweißt.

Standard: Das Finale wurde durch ein Elfmeterschießen entschieden. Italien hat in seinem vierten Elfmeterschießen bei einer WM zum ersten Mal gewonnen.

Lippi: Früher haben wir verloren, weil niemand schießen wollte. Diesmal wollte jeder, das war der Unterschied. Auch das spricht für den Charakter dieser Mannschaft.

Standard: Eine der Schlüsselszenen im Spiel war die Rote Karte gegen Zinédine Zidane.

Lippi: Ich bin sehr traurig über diesen Abschied von Zidane. Ich hege eine große Bewunderung für ihn, nicht zuletzt aus unserer gemeinsamen Zeit bei Juventus Turin, das weiß jeder. Ich weiß wirklich nicht, was da in seinem Kopf vorgegangen ist. (sid, red, DER STANDARD Printausgabe 11. Juli 2006))

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    Lippi, ganz nah am Pokal.

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