Ölpipeline made in Austria

27. Juli 2006, 19:28
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Wenn diese Woche die erste große Pipelineverbindung aus der kaspischen Region Richtung Westeuropa offiziell eröffnet wird, sind auch Österreicher mit von der Partie

Wien/Istanbul – Wenn am Donnerstag dieser Woche die erste große Pipelineverbindung aus der kaspischen Region Richtung Westeuropa offiziell eröffnet wird, sind auch Österreicher mit von der Partie. Schließlich war es die Ingenieurgemeinschaft ILF (Innsbruck/München), die für die Planung des Hauptstrangs durch die Türkei zuständig war.

„Das ist eines unserer größten Einzelprojekte, das wir jemals abgewickelt haben“, sagte Adolf Feizlmayr, Miteigentümer der Gruppe und für das F im Unternehmensnamen verantwortlich, im Gespräch mit dem STANDARD. Der Zuschlag geht zurück auf das Jahr 2001. Damals habe man sich gegen schärfste internationale Konkurrenz durchsetzen können, sagte Feizlmayr. Auftraggeber war die staatliche türkische Pipelinegesellschaft Botas, die auch beim OMV-Projekt einer Gasleitung von der kaspischen Region über den Balkan nach Österreich (Nabucco) mit im Boot ist. Botas hat die Verantwortung für den türkischen Abschnitt der BTC -Pipeline, der 1076 der insgesamt 1758 km langen Leitung ausmacht. BTC steht für die drei Städte Baku in Aserbaidschan, Tiflis in Georgien und Ceyhan in der Türkei. Vonseiten der türkischen Regierung gab es eine Staatsgarantie für das Projekt. Die Kosten für den türkischen Abschnitt beliefen sich auf 1,3 Mrd. Dollar (1,02 Mrd. Euro); ILF habe „einen namhaften zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag“ erhalten, sagte Feizlmayr.

Drei Milliarden Gesamtkosten

Die Gesamtkosten haben sich auf drei Mrd. Dollar summiert. Für die Planungen jenseits der türkischen Grenze war das US-Unternehmen Bechtel zuständig. Von ILF seien durchschnittlich 60 bis 70 Mitarbeiter mit dem Projekt befasst gewesen, in Spitzenzeiten bis zu 200, sagte Feizlmayr. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 700 Mitarbeiter an 16 Standorten, darunter auch in Pakistan und Sibirien. Bei der Ingenieurgemeinschaft Lässer Feizlmeyr (ILF) macht man sich nun Hoffnung, auch den Zuschlag für die Planung der Nabucco-Leitung zu bekommen. „Präqualifiziert sind wir schon“, sagte der Unternehmenschef.

Die Feierlichkeiten anlässlich der Eröffnung der BTC-Pipeline werden sich über zwei Tage hinziehen. Fast 50 Präsidenten und Regierungschefs sind eingeladen worden, darunter US-Präsident George Bush und Russlands Wladimir Putin. Die Türkei will sich als Energiedrehscheibe zwischen Ost und West darstellen. Unter dem Kaspischen Meer werden Ölvorräte von mehr als 100 Mrd. Fass (je 159 Liter) und eine noch größere Menge an Erdgas vermutet. Nach der Entdeckung des Öls suchten vor allem die USA nach einem Weg, das schwarze Gold in den Westen zu bringen, ohne dabei Russland oder dem Iran die Möglichkeit einzuräumen, Einfluss zu nehmen. Der erste Tanker ist Anfang Juni mit Öl aus der Pipeline beladen worden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7.2006)

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    Der erste Tanker ist Anfang Juni im türkischen Ceyhan mit Öl aus der Region Baku beladen worden. Diesen Donnerstag wird die drei Milliarden Dollar teure BTC-Pipeline eröffnet. Die Pläne stammen von der österreichisch-deutschen Ingenieurgemeinschaft ILF.

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