Deutscher Stützpunkt in Kabul mit Granaten beschossen

17. Juli 2006, 10:21
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Wachturm mit Handfeuerwaffen angegriffen - Tankstelle außerhalb des Camps getroffen, ein afghanischer Zivilist verletzt

Berlin - Der Bundeswehr-Stützpunkt Camp Warehouse in Kabul ist am Sonntagabend mit Granaten beschossen worden. Zwei Panzerfaust-Granaten hätten einen leeren Container auf dem Gelände durchgeschlagen, teilte das Verteidigungsministerium am Montag in Berlin mit. Außerdem sei ein Wachturm des Stützpunktes mit Handfeuerwaffen angegriffen worden. Die deutschen Soldaten hätten das Feuer erwidert, die Täter hätten jedoch fliehen können. Soldaten seien nicht verletzt worden. Eine weitere Granate habe eine Tankstelle außerhalb des Camps getroffen. Dabei sei ein afghanischer Zivilist verletzt worden. Der Angriff sei ein Beweis dafür, dass die Lage in Afghanistan derzeit sehr angespannt sei, sagte ein Ministeriumssprecher.

Im Camp Warehouse sind noch rund 900 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr verlegt derzeit die meisten ihrer Soldaten in den Norden nach Masar-i-Sharif und will den Stützpunkt im August an die Franzosen übergeben. Im Camp Marmal in Masar-i-Sharif sind derzeit bereits rund 900 deutsche Soldaten stationiert, in Kundus gut 350 und in Feisabad knapp 250. Insgesamt stellt die Bundeswehr für die Nato-Friedenstruppe Isaf etwa 2800 Soldaten in Afghanistan und Usbekistan. Die letzten Angriffe auf die deutschen Truppen hatten sich Mitte Juni gegen Patrouillen aus Feisabad und Kundus gerichtet. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte daraufhin umfangreichere Sicherheitsvorkehrungen angeordnet.

Kritik zurückgewiesen

Vor dem Angriff hatte Jung Kritik an den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen für die Bundeswehr in Afghanistan zurückgewiesen. "Wir gehen selbstverständlich weiter Patrouille, wir gehen weiter auf die Menschen zu", sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Die Welt". "Wenn wir rausfahren, fahren wir aber nicht mehr mit ungeschützten Fahrzeugen. Die sind für Anschläge einfach zu leicht herauszupicken". FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger hatte gewarnt, die Deutschen könnten als Besatzer wahrgenommen werden, wenn sie nur noch in gepanzerten Fahrzeugen aufträten. Bei der Bundeswehr werde eine Anordnung dazu sehr skeptisch gesehen. Besser wäre es, die Militärführung vor Ort je nach Sicherheitslage selbst entscheiden zu lassen, wie die Soldaten auf Patrouille gingen.

Eine Zusammenlegung des Kampf- und des Friedenseinsatzes in Afghanistan lehnte Jung trotz der verstärkten Gewalt ab. "Es wird einen gemeinsamen Oberbefehlshaber, eine gemeinsame Führungsstruktur geben, die Mandate bleiben aber weiterhin getrennt", betonte er. Die Nato-Friedenstruppe Isaf, die den Wiederaufbau Afghanistans schützen soll, wird derzeit von 9000 auf 16.000 Soldaten aufgestockt. Zu ihnen zählen knapp 2800 Deutsche. Separat davon läuft vor allem im Süden des Landes der US-geführte Kampfeinsatz im Rahmen der Operation Enduring Freedom gegen die radikal-islamischen Taliban und Anhänger der Extremistenorganisation Al-Kaida. An ihm sind rund 22.000 amerikanische, 3500 britische und 2300 kanadische Soldaten beteiligt. Zeitweise waren auch Soldaten der deutschen Elite-Truppe KSK im Einsatz.

Kritik an mangelndem Einsatz gegen Drogenabbau

Verstärktes Engagement forderte Jung im Einsatz gegen den Drogenanbau. "Da tut die internationale Gemeinschaft noch nicht genug", sagte er. "Solange wir den Bauern keine wirtschaftlichen Alternativen anbieten, um zu überleben, werden wir das Drogenproblem nicht lösen können". Das Mandat der Deutschen solle allerdings nicht auf die Bekämpfung des Drogenanbaus ausgeweitet werden. Dafür seien die afghanische Regierung und die Briten zuständig, sagte er. (Reuters)

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