Die Berge, sie rufen ihn

12. Juli 2006, 13:22
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Totschnig am Ruhetag gelöst und voll der Vor­freude - Die Taktik ist angesichts zahlreicher Mitfavoriten schwer abzuschätzen

Bordeaux - Es könnte beinahe Urlaubsstimmung aufkommen im idyllisch gelegenen Hotel des Teams Gerolsteiner am Ruhetag der Tour de France in Bordeaux. Georg Totschnig, Peter Wrolich und ihre Kollegen plaudern entspannt im Garten, ehe sie sich mittags für knapp zwei Stunden auf ihre Räder schwingen. Totschnig wirkt gelöst, die vor dem Prolog aufgetretene Nervosität ist gewichen. "Ich freue mich auf die Berge, die bisherigen Etappen waren gut für mein Selbstvertrauen", erklärte der Tiroler.

Im ersten Jahr nach dem Rücktritt des siebenfachen Seriensiegers Lance Armstrong präsentiert sich das wichtigste Radrennen der Welt weit offen. Die Zahl der Anwärter auf die Podestplätze ist groß. "Niemand weiß, wer am Ende ganz vorne sein wird", sagte Totschnig vor der ersten Bergetappe am Mittwoch. Die Gesamtwertung hat für ihn vorerst keine große Aussagekraft. "Erst nach den Pyrenäen kann man schauen, wo man steht."

Offensives Fahren erwartet

Die Taktik sei schwierig einzuschätzen, sagte der Kletter-Spezialist. "Früher habe ich versucht, möglichst lange mit Lance Armstrong mitzufahren, da hätte es für einen Anwärter auf eine Topplatzierung keinen Sinn gemacht, früh zu attackieren. Heuer wird in den Bergen sicher offensiver gefahren", glaubt Totschnig. "Es wird jedenfalls sehr interessant."

Peter Wrolich jagt hingegen nicht selbst nach Spitzenplätzen, er ist Totschnigs wichtigster Helfer auf den Flachetappen. "Ich bin sicher mehr als die Hälfte der Strecke im Wind gefahren, aber ich habe weniger Substanz gelassen als erwartet", sagte der Kärntner, dem die bei einem Sturz erlittenen Abschürfungen kaum Probleme bereiten.

Besuch von ihren Familien bekamen die zwei Jung-Väter am Montag nicht. Erst am zweiten Ruhetag vor dem Alpenetappen in Gap, werden Totschnigs Gattin Michala mit der ältesten Tochter Emma und Wrolichs Gattin Elka mit dem gut zwei Monate alten Sohn Manolo anreisen. Doch das Duo steht täglich in Telefonkontakt mit daheim. "Das ist überlebenswichtig", erklärte der dreifache Familienvater Totschnig, dem die lange Abwesenheit bei Rennen jedes Mal schwer fällt. Er wird nach der Tour entscheiden, ob die Zeit reif ist für das Karriere-Ende.

Bernhard Eisel aus dem Rennstall Francaise des Jeux hoffte am Ruhetag auf ein Abklingen seiner Verkühlung. Er hatte sich schon vor der Tour die kommende neunte Etappe dick angestrichen. Die knapp 180 Kilometer am Dienstag nach Dax sind flach, das Finish mit einer fast zwei Kilometer langen Zielgeraden ist genau das, was der 25-jährige Sprinter mag.(APA)

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    Totschnig geht erfreut in die Berge

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