Neue Superstars? Fehlanzeige!

10. Juli 2006, 14:24
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Kollektive dominierten gegenüber Individualisten - Grosso, Ribery und Maxi Rodriguez als größte Entdeckungen

Berlin - In der kurzweiligen Zeit kometenhaft aufgestiegener Berühmtheiten hat ausgerechnet die Fußball-WM 2006 in Deutschland keinen neuen Superstar herausgebracht. Kollektive und gut organisierte Teams dominierten gegenüber individueller Klasse. Bezeichnend: Der mit überragenden Individualisten gesegnete Topfavorit Brasilien scheiterte bereits im Viertelfinale an Frankreich.

Ein Spieler vom Kaliber eines Pele, Paolo Rossi, Diego Maradona oder Ronaldo, der seiner Konkurrenz während der gesamten Endrunde die Schlagzeilen gestohlen hätte, tat sich nicht hervor. Weltfußballer Ronaldinho genügte den hohen Erwartungen in keiner Weise, der zum "Spieler des Turniers" gewählte Franzose Zinedine Zidane verabschiedete sich mit einer Tätlichkeit im Finale unwürdig von der Fußball-Bühne.

Kein echter Jungstar

Die neue Generation, von der sich die Welt in Deutschland so viel erwartet hatte, schaffte den Durchbruch nicht. Echten Jungstar brachte die WM keinen hervor, stattdessen zeigten Altmeister wie Portugals Luis Figo noch einmal auf. Deutschlands WM-Torschützenkönig Miroslav Klose, Italiens Spielgestalter Andrea Pirlo und Portugals Maniche überzeugten zwar, der ganz große Glanz blieb aber aus.

Die Aufmerksamkeit lenkten vor allem die Abwehrreihen und die Torhüter auf sich. Italiens Gianluigi Buffon überzeugte zwischen den Pfosten ebenso wie der Tscheche Petr Cech oder der Portugiese Ricardo. Seinen Stempel drückte der WM auch der kaum zu überwindende italienische Verteidiger Fabio Cannavaro auf. Der Kapitän wurde mit der Übernahme des WM-Pokals belohnt.

Ribery und Grosso

Bei den Finalisten traten Franck Ribery und Fabio Grosso erstmals ins große internationale Rampenlicht. Während Marseille-Offensivspieler Ribery überhaupt erst bei der WM sein Teamdebüt gab und gleich zum Stammspieler avancierte, entschied Grosso die beiden wichtigsten Partien für Italien. Im Halbfinale gegen Deutschland traf der Linksverteidiger in der Verlängerung zum 1:0, im Finale verwandelte er den entscheidenden Elfmeter.

"Grande Grosso" hatte vor fünf Jahren noch Viertliga-Fußball gespielt, für die kommende Saison wechselt er von US Palermo zu Inter Mailand. Der 28-Jährige hatte schon im Achtelfinale gegen Australien (1:0) großen Anteil am Aufstieg der Italiener, als er in der Nachspiel den ebenso umstrittenen wie entscheidenden Elfmeter herausholte.

Ein anderes Achtelfinale entschied eine weitere Entdeckung der WM für sich. Maxi Rodriguez schoss Argentinien mit einem Traumtor gegen Mexiko ins Viertelfinale. Der 25-jährige Mittelfeldspieler von Atletico Madrid setzte bedeutend mehr Akzente als seine höher eingesetzten Landsleute Lionel Messi und Carlos Tevez - auch, weil Teamchef Jose Nestor Pekerman seine beiden Jungstars nur spärlich WM-Luft schnuppern ließ.(APA/Reuters)

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