Pechvogel Trezeguet: "Gehört dazu"

10. Juli 2006, 19:41
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2000 der Held, diesmal der Sargnagel

Berlin - Vor fast genau sechs Jahren war er noch der umjubelte Volksheld. Er schoss Frankreich in den europäischen Fußball-Himmel und Italien ins tiefe Tal der Tränen. Diesmal war David Trezeguet, den sie in Italien, seiner Wahl-Heimat längst "Trezegol" getauft haben, der Sargnagel seines Teams. Sein Elfmeter ging an die Latte und der Titel damit an Italien.

Am 2. Juli 2000 hatte der eingewechselte David Trezeguet im EM-Finale von Rotterdam mit seinem Golden Goal in der 103. Spielminute die Equipe Tricolore zum Europameister gemacht. Am Sonntagabend schien im WM-Finale gegen Italien alles für eine wundersame Wiederholung angerichtet: Wieder wurde Trezeguet eingewechselt, und wieder hatte er die Chance, zum Volkshelden zu werden. Doch als einziger Spieler traf er im dramatischen Elfmeterschießen nur die Latte.

Eigentlich gut platziert

"So etwas gehört zum Fußball", kommentierte der 28-Jährige lapidar den traurigsten Moment seiner Karriere. Er habe den Ball eigentlich gut platziert. Tatsächlich sprang das Leder an die Unterkante der Latte und von dort auf die Torlinie. Einen entscheidenden Elfmeter zu verschießen, ist allerdings keine neue Erfahrung für Trezeguet: Bereits im Jahr 2003 war der Stürmer von Juventus Turin im Elferschießen im Champions-League-Finale gegen AC Milan gescheitert. Milan gewann das Endspiel nach torloser regulärer Spielzeit noch mit 3:2.

Ironie des Schicksals: Zu den Leidtragenden von Trezeguets Versagen damals gehörte auch sein Mannschaftskollege Gianluigi Buffon - diesmal der große Sieger. Für Trezeguet dagegen war es der traurige Höhepunkt eines für ihn überaus unbefriedigenden Turniers: Trainer Raymond Domenech ließ den Star die meiste Zeit auf der Bank schmoren, nur gegen Togo durfte er die volle Spielzeit ran - und auch nur, weil Zinedine Zidane wegen der zweiten Gelben Karte gesperrt war. Gegen Südkorea kam er lediglich für die letzten zwei Minuten aufs Feld.

"Schwierige Weltmeisterschaft"

"Es war eine schwierige Weltmeisterschaft für mich", meinte der Angreifer. "Ich hatte gehofft, häufiger spielen zu können, doch das war nicht der Fall. Aber das waren eben Domenechs Entscheidungen." Mit 32 Länderspieltoren liegt er in der ewigen Torschützenliste Frankreichs immerhin auf Platz drei hinter Henry mit 36 Treffern und Rekordhalter Michel Platini, der 41 Mal erfolgreich war. Und das bei "nur" 65 Einsätzen, Henry steht bei 85.

Doch diese Erfolge der Vergangenheit schienen für den Trainer nicht viel zu zählen. "Domenech bevorzugt eine Spielweise, die nicht zu meinem Spiel passt", sagte Trezeguet und ergänzte fast trotzig: "Aber dennoch gehe ich aus diesem Turnier mit hoch erhobenem Kopf." Unterstützung erfuhr der Unglücksrabe vor allem von Henry: "Wir haben einen Elfmeter an die Latte geschossen", sagte der 28-Jährige von Arsenal London und betonte: "Wir haben gemeinsam gespielt, und wir haben gemeinsam verloren."(APA/AP)

  • Henry muss Aufbau-Arbeit leisten.

    Henry muss Aufbau-Arbeit leisten.

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