Betroffene der Kaprun-Katastrophe bringen Anliegen vor

11. Juli 2006, 12:46
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Überlebende und Angehörige der Opfer fordern Entschädigung von der Republik

Salzburg - Über 40 Opferangehörige und Überlebende der Brandkatastrophe vom 11. November 2000 am Kitzsteinhorn, bei der 155 Menschen ums Leben kamen, halten sich seit dem Wochenende in Salzburg auf und wollen am Dienstag bei der Kaprun-Kommission in Wien vorstellig werden. Sie möchten unter anderem darlegen, warum die Republik Österreich für das Unglück mitverantwortlich ist und fordern weiters eine faire Entschädigung für die Verluste der Opfer, wie US-Anwalt Ed Fagan am Montag der APA mitteilte.

"Es geht nicht alles, was Fagan will"

Angehörige und Überlebende aus Japan, Slowenien, den Niederlanden, Deutschland und Österreich wollten am Montagvormittag den Unglückszug besichtigen. Die Gletscherbahnen Kaprun AG (GBK), die seit 11. November 2005 wieder Eigentümerin des Transportmittels ist, hatte dieses Anliegen im Vorfeld aber schon abgelehnt. Ed Fagan habe bereits am Freitag den Zug besichtigt, hieß es in der GBK. Man habe ihm "alle Möglichkeiten geboten" und jetzt falle ihm ein, dass er mit den Angehörigen und Anwälten wieder den Zug besichtigen wolle, sagte der GBK-Pressesprecher Harald Schiffl. "Es geht nicht alles, was er will", so Schiffl. Auch dem Angebot der Angehörigen, den Zug zu kaufen, wollte die GBK nicht nachkommen.

Die Betroffenen fordern auch, dass nichts der Zug im derzeitigen Zustand erhalten bleibt, wie Richterin Shira Scheindlin in New York bereits in einer Entscheidung festgelegt hatte. Dieser Beschluss wurde am Montag der GBK überreicht. Deren Anwalt verweigerte am Montag einen Gesprächstermin mit den Opfervertretern. Fagan kritisierte daraufhin, dass man nicht "1.000 Kilometer geflogen ist, um dann einfach abgewiesen zu werden".

Vergleich mit Sölden

Der Innsbrucker Rechtsanwalt Ivo Greiter zog einen negativen Vergleich zwischen den Urteilen von Sölden und Kaprun: Auch bei Sölden habe es einen Vorfall mit einem Betonkübel bisher noch nicht gegeben und der Unfall sei für den Piloten nicht vorhersehbar gewesen - dieser sei jedoch zu 15 Monaten Haft verurteilt worden. Bei Kaprun, wo es bis dahin auch keinen Brand in einer Seilbahn gegeben habe, "gab es nur Freisprüche", so Greiter. "Sölden hat Kaprun auf die Ebene der von der Republik verschuldeten Fahrlässigkeit gehoben."

Für den Innsbrucker Opfer-Anwalt ist klar ersichtlich, "warum die Republik haftet". Denn während es etwa für die Uniformen der Spanischen Hofreitschule eine Verordnung gebe, die mit sechs Seiten Abbildungen von Uniform bis zum Sporen alles genau regle, bestünden im Falle von Kaprun keine rechtlichen Bestimmungen, die die Sicherheitsvorkehrungen festlegen.

Prozessteilnahme beantragen

Für alle Kaprunopfer besteht noch bis Donnerstag die Möglichkeit zur Teilnahme am US-Verfahren: Diese müssen dies nur ausdrücklich entsprechend erklären: Es muss eine ausdrückliche schriftliche eidesstattliche Erklärung durch die Mandanten selbst oder durch deren ausgewiesenen Vertreter abgegeben werden. Damit sei die alte Opt In Class Action (eine Art Sammelklageverfahren, Anm.) wieder hergestellt, die vom US-Gericht bereits einmal eingestellt worden ist, so Fagan. (APA)

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