EU plant Patrouillen vor Afrikas Küsten

11. August 2006, 14:48
140 Postings

Euro-Afrikanischer Gipfel: Aktionsplan gegen illegale Migration verabschiedet - Spanien kündigt 40 Millionen Euro an Hilfen an

Rabat/Madrid - Die Europäische Union und 27 afrikanischen Staaten haben sich bei einer Konferenz in der marokkanischen Hauptstadt Rabat auf eine Serie von Maßnahmen zur Eindämmung der illegalen Einwanderung verständigt. Laut EU-Außenkommissarin Ferrero- Waldner ist ein umfassender Aktionsplan bereits "praktisch beschlossen" worden. Der Plan sieht u.a. verstärkte Patrouillen und Interventionstruppen vor.

EU-Grenzschutzagentur im Einsatz

Nach den Worten von Ferrero-Waldner wird die EU-Grenzschutzagentur "Frontex" vor der Westküste Afrikas bei Marokko, Mauretanien, Senegal und Kap Verde gemeinsame Patrouillen mit den betroffenen Ländern durchführen. Weiters sollen bei Flüchtlingskrisen rasch zivile Interventionstruppen zur Verfügung stehen. Afrikaner, die bereits jetzt in Europa arbeiten, sollen künftig leichter Geld in ihre Heimatländer schicken können. "Den Finanztransfer muss man erleichtern. Man muss die Menschen dazu bringen, im eigenen Land zu investieren", sagte die EU-Außenkommissarin.

Nur spezifische geschulte Fachkräfte

Nach Worten von Ferrero-Waldner will die Europäische Union künftig die Einwanderung für spezifisch geschulte Fachkräfte aus afrikanischen Ländern erleichtern. Dazu sollen mit Hilfe der EU auch spezielle Ausbildungs- und Trainingsprogramme für Migranten angeboten werden. In jedem Fall müssten Menschen, die nach Europa kommen, besser auf die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

Im Gegenzug sollen sich die afrikanischen Staaten zu Rückübernahmeabkommen für illegal Einreisende verpflichten. Auf der seit Montag in Rabat tagenden euro-afrikanischen Ministerkonferenz über Migration und Entwicklung haben sich rund 20 afrikanische Staaten zur Rücknahme ihrer illegal in Europa eingereisten Staatsbürger bereit erklärt.

Während seit Wochen erneut Tausende von Schwarzafrikaner in Booten die Kanarischen Inseln ansteuern, wurden vor wenigen Tagen drei Flüchtlinge an der spanisch-marokkanischen Grenze in Melilla von marokkanischen Grenzschützern beim Versuch, die Zäune zu überwinden, erschossen.

Flüchtlingsprojekte

Vor dem Hintergrund der dramatischen Umstände der jüngsten Immigrantenströme von Westafrika nach Europa und insbesondere Spanien beschließen die 27 afrikanischen und 30 europäischen Teilnehmerstaaten in der marokkanischen Hauptstadt den von Spanien erarbeiteten "Afrika-Aktionsplan", der neben verstärkten Sicherheitsmaßnahmen auch Entwicklungsprojekte in den Herkunftsländern der Flüchtlinge vorsieht.

Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos kündigte zur Umsetzung des Aktionsplans 10 Millionen Euro für Marokko, 20 Millionen Euro für die Finanzierung von Infrastrukturplänen in Westafrika sowie weitere 10 Millionen Euro in Form von Kleinkrediten für verschiedene afrikanische Staaten an. (APA)

  • Artikelbild
    grafik: standard
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nachgestellte Szene des Versuchs von Flüchtlingen aus Mali, in die spanische Enklave Melilla zu gelangen.

Share if you care.