Beziehungen und Frühstücksmüsli

11. Oktober 2006, 13:19
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US-Restaurant bietet Flakes in allen Variationen und wirbt mit "95 Prozent der Amerikaner lieben ihre Frühstücksflocken, 57 Prozent mögen Sex"

Chicago - Das Großgedruckte auf dem T-Shirt sagt alles: "95 Prozent der Amerikaner lieben ihre Frühstücksflocken; 57 Prozent mögen Sex". Cornflakes und andere knusprige Getreideflocken gehen den US-Bürgern über alles. Sie sind ihnen sogar wichtiger als Hotdogs, Hamburger oder Pommes frites.

Die Regale in den Supermärkten stehen voll von bunten Packungen mit "Cereals" in allen Schattierungen; Kenner behaupten sogar, den Charakter eines Käufers anhand seiner Lieblingsflocken bestimmen zu können. Auf die Passion der Amerikaner für die Flocken ihrer Kindertage setzt eine neue Restaurantkette, die nichts im Angebot hat als dutzende verschiedene Frühstücksflakes. Das erste "Cereality" hat jetzt im Geschäftszentrum von Chicago eröffnet.

Alles in dem neuen Restaurant ist darauf angelegt, die Erinnerungen an das traute Heim der Kindheit wieder auferstehen zu lassen: Sofas, Barhocker, wie sie früher am typischen Küchenboard standen, und Holztische im Landhausstil sorgen für heimelige Atmosphäre, begrüßt werden die Gäste von Kellnern in Pyjamas.

Frühstücksflocken als Snack rund um die Uhr

Ähnlich wie bei den US-Kaffeeketten können die Kunden aus einem schier endlosen Angebot auswählen: Dazu zählen neben Cereals in allen Variationen und Fettstufen auch die unterschiedlichsten Garnierungen - von klassisch wie Banane bis kindisch wie Mini-Marshmallows. Das Ganze wird serviert in kitschigen Pappboxen, auf besonderen Wunsch auch mit überdimensionalem Strohhalm als "Löffel zum Schlürfen". Flockige Sprüche an Wänden und auf T-Shirts - wie etwa "United Flakes of America" - sorgen für den "hippen touch", ohne den kein Restaurant bestehen kann.

'Glücksbringer' Frühstücksmüsli

Die Idee, Frühstücksflocken als Snack rund um die Uhr anzubieten, kam "Cereality"-Mitbegründer David Roth während eines Treffens mit einem Geschäftskunden in New York. "Da saß dieser Typ im maßgeschneiderten Anzug vor mir und mampfte Schokoflocken - als er meinen erstaunten Blick auf seine Packung sah, sagte er, das machen doch alle...", erzählt Roth, der lange Jahre Erfahrung als Berater für die Entwicklung neuer Marken hat.

Nach kurzer, intensiver Recherche tat sich Roth mit dem renommierten Marken-Designer Rick Bacher zusammen. Gemeinsam beschlossen sie, statt auf die Entwicklung eigener Cornflakes zu setzen, lieber bekannte Marken in neuer Umgebung anzubieten. "Die Leute haben eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Frühstücksmüsli. Sie bestehen auf ihrem persönlichen 'Glücksbringer', selbst wenn der ihrer Figur nicht gerade gut tut", sagt Roth.

Frühstücksflocken-Wagen

Roth und Bacher mangelt es nicht an Ideen für weitere Einsätze ihrer Flocken: Mit dem Autohersteller Dodge vereinbarten sie die gemeinsame Entwicklung eines neuen Frühstücksflocken-Wagens, um nach dem Vorbild der mobilen Eisverkäufer ihre Cereals vor Fußballstadien, Zoos, Einkaufszentren oder sogar Discotheken an den Kunden zu bringen. Ein neuer Catering-Service beliefert seit kurzem Büros, Hochzeitsgesellschaften oder Partys nach Broadway-Premieren. Schnellrestaurants für flockige Snacks soll es bald auch in Hotels, Flughäfen, Universitäten und Einkaufszentren geben.

Nach einer zweijährigen Probephase mit drei Prototypen und einer geschickten Medienkampagne wollen Roth und Bucher ihre Idee per Franchisesystem weiter ausbauen - zunächst USA-weit, dann in Kanada und Großbritannien. Langfristig, so hoffen sie, könnten ihre Frühstücksflocken-Ketten auch den europäischen und asiatischen Markt erobern. US-Kaffeeketten haben das ja schließlich auch geschafft. (Von Mira Oberman/AFP)

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