NASA: "Discovery ist sicher für die Rückkehr"

17. Juli 2006, 15:28
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Problemzonen an Raumfähre untersucht - ISS fasst künftig bis zu sechs Raumfahrer - erster Außeneinsatz abgeschlossen

Houston/Washington - Die US-Raumfähre "Discovery" muss nicht im Weltraum repariert werden und kann sicher zur Erde zurückkehren. "Die Discovery ist 100 Prozent sicher für die Rückkehr", teilte das Kontrollzentrum der Raumfahrtbehörde NASA am Sonntag in Houston mit. Die Crew reagierte begeistert. Die Rückkehr der Raumfähre ist für den 17. Juli vorgesehen.

Entladung

Auf der Internationalen Raumstation ISS können künftig bis zu sechs Raumfahrer leben und arbeiten. Der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter und die Crew der ISS sowie der Raumfähre "Discovery" entluden am Wochenende unter anderem ein Sauerstoffgerät, das Wasser in Atemluft für sechs Raumfahrer verwandelt.

Erster Außeneinsatz

Den ersten rund siebeneinhalbstündigen Einsatz zweier Astronauten außerhalb der Weltraumstation bezeichnete die NASA als sehr erfolgreich. Der verlängerte Roboterarm der Raumfähre erwies sich als so stabil, dass er im Fall von Notreparaturen zwei Raumfahrer präzise zu allen Problemstellen an der Außenhaut manövrieren kann. Bei ihrem spektakulären Schwenk durch das All standen die beiden US-Raumfahrer Piers Seller und Mike Fossum auf kleinen Fußplattformen, die links und rechts vom Roboterarm hingen.

Einschätzung

Die "Discovery" hat den Start am vergangenen Dienstag nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA besser überstanden als erwartet. "Das ist die beste und fehlerfreiste Raumfähre, die ich je gesehen habe", sagte NASA-Manager Steve Poulos am Samstag in Houston (Texas).

Nach Angaben der NASA haben sich fünf von sechs Problemzonen nach erneuter Inspektion als harmlos erwiesen. In einem Fall stellte sich ein verdächtiger Fleck als Abdruck von Vogelkot heraus. Zwei andere Stellen seien Spuren von Flüssigkeitsresten, sagte Flugdirektor Tony Ceccacci.

Problem Füllstreifen

Dagegen hat die NASA noch keine Entscheidung getroffen, wie sie mit einem herausstehenden Füllstreifen am Unterboden der "Discovery" verfährt. Dieser Dämmstreifen hat so viele Risse, dass er durch die Reibung beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbröckeln könnte. Sollten neue Labortests eine Gefährdung der Raumfähre und Crew nicht ausschließen, können die Astronauten den Streifen während eines Außeneinsatzes entfernen.

Verlängertes Programm

Die NASA hat den Flug der Raumfähre bereits um einen Tag verlängert und einen dritten Außenbordeinsatz in das Programm eingefügt. Dieser Einsatz war von Anfang an vorgesehen, wenn die "Discovery" genügend Treibstoff für die Rückkehr zur Erde hat.

Reiter wird dagegen als erster Deutscher die kommenden sechs Monate an Bord der 400 Kilometer über der Erde kreisenden Weltraumstation bleiben. Die "Discovery" soll den 48-Jährigen dann nach bisherigen Plänen Ende Dezember wieder von der ISS abholen.

Live von der ISS

Drei Tage nach seiner Ankunft auf der Internationalen Raumstation ISS sagte Reiter bei einer Liveschaltung zum Europäischen Astronautenzentrum (EAC) am Sonntag in Köln: "Eines der ersten Dinge, die ich tun werde, wenn die Discovery abgedockt ist, ist das Überraschungspaket meiner Familie zu finden."

Der 48-Jährige schwärmte von der Aussicht. "Der Blick ist hervorragend, sowohl zur Erde als auch in den Sternenhimmel." Deshalb ist Reiter gespannt auf seinen ersten Weltraumspaziergang. "Anfang August freue ich mich darauf, nach draußen gehen zu dürfen." Nach dem Entladen von Nahrung, Kleidung und Ersatzteilen warten auf Reiter neben wissenschaftlichen Experimenten und Arbeiten an der Raumstation auch Freizeitmöglichkeiten. "Eine Gitarre habe ich bereits gefunden, leider ist eine Saite kaputt gegangen", sagte er. "Wenn Zeit ist, werde ich eine neue Saite aufziehen und meinem Hobby frönen." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der erste Weltraumausstieg

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