Belgrad übt heftige Kritik am UNO-Kosovo-Verhandler Rohan

18. Juli 2006, 14:39
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Rohan trage meiste Verantwortung für fehlende Ergebnisse bei Wiener Gesprächen - Kostunica-Berater: "Ort für Treffen ändern"

Belgrad - Das offizielle Belgrad hat erstmals direkte Kritik am stellvertretenden UNO-Chefverhandler für den Kosovo, den früheren Außenamts-Generalsekretär Albert Rohan geübt. "Er hat seine Aufgabe bisher schlecht verrichtet. Seine Verantwortung dafür, dass die Wiener Gespräche (zwischen Verhandlerteams Pristinas und Belgrads) bisher keine Ergebnisse gezeitigt haben, ist am größten", erklärte Aleksandar Simic, Mitglied des Belgrader Verhandlerteams und Berater des serbischen Regierungschefs, am heutigen Montag für die Tageszeitung "Politika".

Die sechs direkten Wiener Gespräche zwischen Belgrad und Pristina waren laut Simic "schlecht vorbereitet, schlecht geführt, man kannte die Regeln nicht, es gab keine Protokolle, auch war es unbekannt, wann die nächsten Gespräche stattfinden würden, was die Verpflichtungen sind".

Erfolglose Gespräche

Dass die Gespräche erfolglos gewesen seien, habe bereits im Juni der EU-Außenpolitikbeauftragte Javier Solana gesagt. Er habe dem Regierungschef Serbiens Vojislav Kostunica gegenüber sogar erklärt, dass aus seiner Sicht der Wiener Prozess tot sei, sagte Simic der regierungsnahen Tageszeitung gegenüber.

Zum bevorstehenden ersten Treffen Pristinas und Belgrads auf höchster Ebene, das nach inoffiziellen Berichten am 24. Juli in Wien stattfinden soll, meinte Simic, dass man "angesichts der Tatsache, dass Wien bisher erfolglose Gespräche symbolisiert, den Ort des Treffens vielleicht abändern müsste".

Sicherheitsrat

Belgrader Medien hatten in den vergangenen zwei Wochen über eine mögliche Auswechslung des UNO-Chefverhandler Martti Ahtisaari spekuliert. "Angesichts des mangelnden Erfolges des stellvertretenden UNO-Chefverhandlers bin ich der Meinung, dass es am UNO-Chefverhandler und in seinem Interesse ist, wenigstens seinen Stellvertreter zu wechseln", sagte Simic nun unumwunden.

Regierungschef Kostunica wird am Montag in Washington die Position Serbiens im Kosovo-Konflikt präsentieren. Am kommenden Donnerstag will er in New York der Sitzung des UNO-Sicherheitsrates beiwohnen, bei der Ahtisaari seinen Bericht über den bisherigen Verlauf der Gespräche über den künftigen Status des Kosovo präsentieren wird. An die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates wird sich zum ersten Mal auch der Präsident des Kosovo, Fatmir Sejdiu, wenden können. (APA)

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