Neue Rekorde bei "Geringfügigen" und Ausländern

30. Juli 2006, 17:14
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Die Ausländerbeschäftigung in Österreich steigt weiter überdurchschnittlich stark an und hat erstmals die Marke von 400.000 überschritten

Die Ausländerbeschäftigung in Österreich steigt weiter überdurchschnittlich stark an und hat im Juni erstmals die Marke von 400.000 überschritten. Schon 12,1 Prozent aller 3,305.898 unselbstständig Beschäftigten stammen aus dem Ausland, Das ist ein neuer Höchststand. Die meisten kommen aus Ex-Jugoslawien, gefolgt von den Ländern Türkei, Deutschland und Ungarn. 2003 lag der Anteil der Ausländerbeschäftigung noch bei elf Prozent.

Während die Beschäftigung insgesamt im Juni im Vorjahresvergleich um 1,6 Prozent - oder um rund 51.000 neue Jobs - zulegte, stieg die Ausländerbeschäftigung um 4,3 Prozent oder um 16.455 neue Arbeitsplätze.

Nach einer Phase der Stagnation stieg die Zahl der Türken an und liegt nun wieder knapp vor jener der Deutschen, die in den letzten Jahren massiv nach Österreich gedrängt haben.

Einen neuen Rekord gab es im Juni auch bei den geringfügig Beschäftigten, die bis 333,16 Euro im Monat verdienen und nur unfallversichert sind. Insgesamt waren im Juni 238.586 geringfügig beschäftigt, davon 166.474 Frauen. Im ÖGB gibt es die Forderung nach dem vollständigen so- zialversicherungsrechtlichen Schutz für geringfügig Beschäftigte.

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Wien - Im Sog der allgemeinen positiven Beschäftigungsentwicklung in Österreich steigt auch der Anteil an ausländischen Beschäftigten weiterhin kräftig an. Wie der Hauptverband der Sozialversicherungsträger am Montag meldete, wurde hier erstmals die Marke von 400.000 überschritten. 12,1 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten (3,305.898) in Österreich kommen aus dem Ausland, die meisten davon weiter aus Ex-Jugoslawien (162.012).

Auf Platz zwei der "Nationenwertung"folgt die Türkei (55.515), dahinter Deutschland (54.990). Zwischen Jänner und März dieses Jahres lagen die Deutschen auch schon auf Platz zwei im Ausländer-Beschäftigungsranking, weil enorm viele Ostdeutsche Saisonbeschäftigung im Wintertourismus gefunden hatten, die Türken finden hingegen hauptsächlich in der Bauwirtschaft Arbeit - also dann, wenn die Wintersaison endet.

Ansturm aus Deutschland

1995 lag der Anteil der ausländischen Beschäftigten noch bei 9,8 Prozent aller Beschäftigten (300.328 von insgesamt 3,069.536), im Jahr 2003 war der Anteil bereits auf elf Prozent gestiegen. Am bemerkenswertesten daran ist der Ansturm Deutscher auf den österreichischen Arbeitsmarkt. 1995 arbeiteten gerade einmal 13.438 Deutsche in Österreich, während schon damals 54.733 Türken in Österreich beschäftigt waren. Während die Zahl der türkischen "Gastarbeiter"also über die Jahre nahezu konstant blieb, nahm die Zahl der deutschen Beschäftigten in den letzten Jahren sprunghaft zu.

Ein ebenso seit Jahren zu beobachtender Trend ist der starke Anstieg prekärer oder atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Hier ist vor allem die geringfügige Beschäftigung zu nennen. Auch in diesem Fall wurde im Juni mit 238.586 ein neuer Rekord in Östereich erreicht. Davon waren der Großteil (konkret 166.474) Frauen - versus 72.112 Männer.

Nur unfallversichert

Im Jahr 1998 wurden geringfügig Beschäftigte in die Sozialversicherung aufgenommen. Die Beschäftigten sind aber nur unfallversichert, nicht aber automatisch auch kranken- und pensionsversichert. Die Beschäftigten entscheiden selbst, ob sie sich versichern oder nicht. Die Kosten dafür betragen rund 47 Euro im Monat. Dienstgeberbeiträge zur Sozialversicherung fallen automatisch an, wenn mehrere Personen geringfügig beschäftigt werden, die zusammen mehr als das Eineinhalbfache der Geringfügigkeitsgrenze verdienen. Seit Anfang dieses Jahres beträgt die Geringfügigkeitsgrenze exakt 333,16 Euro im Monat.

Bis zu dieser Geringfügigkeitsgrenze dürfen beispielsweise auch Arbeitslose dazuverdienen, ohne den Anspruch auf das Arbeitslosengeld zu verlieren. In der monatlichen Beschäftigungsstatistik werden die geringfügig Beschäftigten übrigens nicht mitgerechnet.

Die Einbeziehung von geringfügig Beschäftigten in den vollen Schutz der Sozialversicherung fordert ÖGB-Expertin Elisabeth Rolzhauser. Ab einer monatlichen Bagatellgrenze von 50 Euro solle jene gelten. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7.2006)

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