Rotes Kreuz: Dänemark vernachlässigt moralische Verantwortung

10. Juli 2006, 11:24
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Menschenrechtsorganisationen: Kopenhagen kümmert sich nicht um mögliche Folter an Gefangenen, die bei dänischen Operationen festgenommen werden

Kopenhagen - Das Rote Kreuz und amnesty international (ai) haben der dänischen Armee und der Regierung in Kopenhagen mangelnde Verantwortung im Zusammenhang mit Berichten über Folter an Gefangenen im Irak vorgeworfen. Dänemark habe eine "moralische Verantwortung" dafür zu sorgen, dass Gefangene, die bei dänischen Operationen aufgegriffen würden, nicht gefoltert würden, zitierte die dänische Tageszeitung "Politiken" am Montag den Chef des Dänischen Roten Kreuzes, Jörgen Poulsen.

Dies könne durch entsprechende Aufsicht oder dadurch erreicht werden, dass dem Internationalen Roten Kreuz Zugang zu den Gefangenen ermöglicht werde, so Poulsen. Im April waren bei einer von dänischen Truppen geleiteten Operation zwölf Terrorverdächtige aufgegriffen worden, deren Schicksal heute ungewiss ist.

"Ziele einkreisen"

Ein dänischer Armeesprecher sagte dazu, die Festnahmen und die Einhaltung internationaler Konventionen läge in der Verantwortung der irakischen Behörden, die Aufgabe der dänischen Truppen sei es lediglich "die Ziele einzukreisen". Ähnlich hatte sich bereits früher Verteidigungsminister Sören Gade anlässlich derartiger Vorwürfe geäußert.

Der Generalsekretär von ai-Dänemark, Lars Norman Jörgensen, sagte laut "Politiken", die Regierung in Kopenhagen sollte "sofort einschreiten", um das Risiko für Folter an Gefangenen im Irak zu minimieren. Laut Jörgensen hat amnesty bisher "nicht zu einem einzigen Gefängnis" im Irak Zugang erhalten. "Und dazu gibt es vielleicht guten Grund", mutmaßte der dänische amnesty-Chef. (APA)

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