Wiener Forscher fanden neuen Weg zur Unsterblichkeit von Krebszellen

17. Juli 2006, 12:46
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Empfehlung für Medikamente zur Hemmung des Enzyms Telomerase

Wien - Krebszellen sind so gefährlich, weil sie ständig wachsen und sich teilen. Dabei werden sie unsterblich. Wissenschafter um Dr. Walter Berger vom Krebsforschungszentrum der Medizinischen Universität Wien am AKH haben jetzt einen neuen Weg gefunden, der den bösartigen Zellen zum "ewigen Leben" verhilft.

Die Experten arbeiteten mit verschiedenen Zellen aus Lungenkarzinomen. Gutartige Zellen können nur eine gewisse Zahl von Teilungen überstehen. Bei jeder von ihnen werden die Schutzkappen (Telomere) der Chromosomen kürzer. Sind diese dann zu dünn, sterben die Zellen ab. Berger: "Krebszellen aktivieren hingegen das Enzym Telomerase, das diese Telomere wieder verlängert." Die Hemmung des Telomerase-Enzyms wird bereits durch Krebstherapeutika als Ansatzpunkt verwendet.

Ein zweiter Mechanismus wird als "alternative Telomer-Verlängerung" (ALT) bezeichnet. Der Wissenschafter: "Dabei kommt es zu einem Austausch zwischen Chromosomen mit besonders langen Telomeren und jenen mit sehr kurzen." Doch bei den untersuchten Zell-Linien fanden die Wiener Fachleute auch Zellen (VL-7) aus Tumoren, die weder durch den einen noch durch den anderen Mechanismus die krebs-spezifische "Unsterblichkeit" erlangten. Berger: "Es muss also noch einen dritten Mechanismus geben, der Lungenkarzinom-Zellen gegen die Auswirkungen der ständigen Teilung schützt."

Untersuchung

Das untersuchten die Wissenschafter auch an immunsupprimierten Mäusen, denen sie die unterschiedlichen Karzinomzellen implantierten. Verwendeten sie Zellen mit Telomerase-Aktivität, waren die Tumoren besonders aggressiv. Wiesen sie ALT oder den offenbaren dritten Mechanismus zur Sicherstellung ihrer ständigen Teilungsfähigkeit auf, wuchsen sie ebenfalls und teilten sich, das erfolgte aber langsamer. Verwendete man Karzinomzellen, die den dritten Weg zur Gewährleistung ihrer Unsterblichkeit benutzten, und fügte man in sie das Telomerase-Gen noch zusätzlich ein, wuchsen sie noch schneller.

Die Schlussfolgerung daraus laut Berger: "Die Telomerase muss neben ihrer Funktion zur Verlängerung der Telomere von Krebszellen auch noch einen anderen teilungsfördernden Effekt auf die bösartigen Zellen haben." Das spricht dafür, dass Medikamente zur Hemmung des Enzyms langfristig verabreicht werden sollten, selbst wenn bereits Anzeichen einer teilweisen Resistenz vorliegen. (APA)

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