Die Materazzi-Show

9. Juli 2006, 23:43
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Italiens Innenverteidiger war im Endspiel an allen entscheidenden Situation beteiligt

Berlin - Vom Edelreservisten zum Hauptdarsteller - Marco Materazzi krönte seine turbulente Fußball-Weltmeisterschaft im Finale gegen Frankreich mit einem Finale furioso. Erst verursachte der Verteidiger von Inter Mailand in der siebenten Minute einen umstrittenen Elfmeter, dann machte er seinen Fehler postwendend in der 19. Minute wieder gut. Per Kopf verwandelte er eine Ecke von Andrea Pirlo unhaltbar. Auch bei Zinedine Zidanes Platzverweis in der 110. Spielminute spielte er eine entscheidende Rolle, als der Franzose, wohl nach einer verbalen Provokation des Italieners, die Nerven verlor und Materazzi mit einem wuchtigen Kopfstoß niederstreckte. Schließlich traf er im Elferschießen selbst nervenstark zum 2:1.

Sein Tor gegen Frankreich war bereits das zweite WM-Tor des Verteidigers, der in der gesamten vergangenen Serie-A-Saison nicht über zwei Treffer hinausgekommen war. Genauso oft traf für die "Azzurri" nur noch Serie-A-Torschützenkönig Luca Toni. Mit hochgerissenen Armen schrie der 32-Jährige seine unbändige Freude in den Berliner Abendhimmel. Und wieder war es keiner der hochgelobten Stars wie Francesco Totti oder Andrea Pirlo, sondern eher einer aus der zweiten Reihe, der bei dieser WM in der "Squadra Azzurra" auftrumpften.

Für den oft kritisierten Materazzi waren die WM und sein Tor im Finale eine enorme Genugtuung: "Ich bin so oft unfair kritisiert worden", klagte Materazzi noch vor dem "Spiel meines Lebens". Auch wenn er jetzt gefeiert werde, bleibe er wie er war. "Nicht einmal ein WM-Titel kann mich verändern", hatte der 1,93 m große Athlet seinen Tifosi vor dem Endspiel versichert. Auch von Teamchef Marcello Lippi bekam der 32fache Nationalspieler in Deutschland immer wieder Lob: "Materazzi hat mir sehr gut gefallen", sagte der weißhaarige Coach etwa nach dem Halbfinal-Triumph gegen Deutschland.

Das Finale von Berlin war für den Mailänder ein Spiegelbild der gesamten WM. In Deutschland durchlebte der Abwehrhüne alle Höhen und Tiefen: In den ersten beiden Spielen saß der Mann mit den großen Tätowierungen an den Armen nur auf der Bank. "Wenn du einen Weltklassemann wie Alessandro Nesta vor dir hast, kommst du eben nicht zum Zuge", lautete Materazzis Kommentar.

Erst die Verletzung von Abwehrgenie Nesta, der im dritten WM-Spiel gegen Tschechien in der 17. Minute wieder einmal mit einer Adduktorenzerrung vom Platz gehen musste, ließ ihn in die Startelf der "Squadra" aufrücken. Und diese Chance nutzte Materazzi sofort. Ganze neun Minuten im Spiel brachte er die "Azzurri" in der 26. Minute mit 1:0 in Führung und ebnete den Weg zum 2:0-Sieg und zum Einzug als Gruppensieger ins Achtelfinale.

Und dort sorgte Materazzi wieder für Schlagzeilen, als er in der 50. Minute völlig zu Unrecht die Rote Karte sah. Trotzdem siegte sein Team gegen Australien 1:0. Erst gegen Deutschland kehrte Materazzi im Halbfinale zurück und lieferte wieder eine fehlerfreie Partie ab. An der Seite des überragenden Abwehrchefs Fabio Cannavaro war Materazzi eine sichere Bank. (APA/dpa)

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    Marco Materazzi: "Nicht einmal ein WM-Titel kann mich verändern."

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