Bergdrama im Karakorum: Tiroler Extremalpinist starb an Erschöpfung

16. Juli 2006, 21:39
posten

Markus Kronthaler starb, nachdem er den Broad Peak bestiegen hat - Leiche wird vermutlich für immer am Berg bleiben

Salzburg - Der in Alpinistenkreisen prominente Kufsteiner Bergführer Markus Kronthaler ist tot. Wie am Wochenende bekannt wurde, ist Kronthaler in der Nacht auf Samstag nach dem Gipfelgang am 8047 Meter hohen Broad Peak in Pakistan an Erschöpfung gestorben. Sein Pinzgauer Begleiter, Josef Bachmair, dürfte unverletzt überlebt haben.

Höhensturm

Nach einem ersten Telefonat des Bruders von Bachmair - der Krimmler Bergrettungschef Hansjörg Bachmair - mit dem Basislager wird vermutet, dass ein Höhensturm Kronthaler so zugesetzt hatte, dass ein Abstieg ins rettende Lager 3 auf unter 7000 Meter Seehöhe nicht mehr möglich war. Josef Bachmaier musste gemeinsam mit dem bereits extrem Geschwächten unter dem Vorgipfel des Broad Peak biwakieren. Die gesamte Expedition war von Schlechtwetter und schwierigen Bedingungen am Berg begleitet worden.

Bachmaier und die anderen überlebenden Mitglieder der zehnköpfigen österreichischen Expedition wurden am Sonntag in Österreich zurückerwartet. Die Leiche Kronthalers wird vermutlich für immer am Berg bleiben. Polnische Bergsteiger sollen den Tiroler Alpinisten auf knapp 8000 Meter beisetzen.

Kronthaler war Expeditionsleiter der Bergfahrt "auf den Spuren von Hermann Buhl". Dem Tiroler Buhl gelang im Juni 1957 gemeinsam mit den Salzburgern Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Fritz Wintersteller die Erstbesteigung des Broad Peak. Buhl war kurz darauf am Nachbarberg Chogolisa (7665 Meter) in den Tod gestürzt.

Der 1967 geborene Bergführer und ehemalige Alpingendarm Kronthaler hatte bereits mehrmals Schlagzeilen gemacht. Zuletzt, als er im Jänner dieses Jahres einen Sturz über einhundert Meter im Wilden Kaiser nahezu unverletzt überlebt hatte. Reichlich Pulverschnee hatte den Aufprall gedämpft.

Im Jahr 2004 waren Kronthaler und Josef Bachmaier bereits in ein Bergdrama im Karakorum verwickelt. Damals kam ein Alpinist aus Sachsen ums Leben. Den Österreicher gelang es unter schwierigsten Bedingungen die überlebenden Sachsen beim Abstieg ins Lager 2 zu begleiten, wo ihnen eine Gruppe österreichischer Heeres- und Zivilbergführer zu Hilfe eilen konnte. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 10.7.2006)

Share if you care.