Schwermütigstes Lied aller Zeiten

18. Juli 2006, 13:38
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Leserumfrage in Finnland - Siegerlied: "Peltoniemen Hintriikan surumarssi"

Finnen kürten schwermütigstes Lied aller Zeiten In "Peltoniemen Hintriikan surumarssi" stirbt die Hauptfigur gleich zu Beginn

Helsinki - Die Finnen sind wieder einmal ihrem Ruf als Verehrer des Merkwürdigen und Traurigen gerecht geworden. Die führende Tageszeitung des Landes "Helsingin Sanomat", veröffentlichte am Wochenende das Ergebnis einer Leserumfrage, wonach das Stück "Peltoniemen Hintriikan surumarssi" (Hindriikka Peltoniemis Trauermarsch), ein Volkslied bekannt durch eine Interpretation von Tapio Rautavaara aus dem Jahr 1964, das schwermütigste finnische Lied aller Zeiten ist.

Nur um zwei Stimmen geschlagen geben musste sich der wohl nicht minder sorgenvolle Heuler "Lumi teki enkelin eteiseen" (Der Schnee machte einen Engel im Vorzimmer) des Sängers Hector. Nach Ansicht der Kulturredaktion von "Helsingin Sanomat" repräsentieren die beiden Lieder trotz der Veröffentlichung innerhalb von zwei Jahrzehnten gänzlich unterschiedliche Epochen der finnischen Gesellschaft. Hindriikka Peltoniemis Trauermarsch beschreibt demnach das alte, ländliche Finnland, während Hectors Tränendrücker (veröffentlicht 1973) Musik und Sprache aus dem Rock-Zeitalters beziehe.

Gemeinsam ist beiden Werken jedoch der den Finnen immer wieder zugeschriebene Hang, das Dasein als trost- und aussichtslos anzusehen. Im Siegerlied stirbt die Heldin des Liedes, die einsame Witwe Hindriikka, gleich zu Beginn. Der Tod ist für sie, in deren Hütte im Moor das Moos wächst, eine Erlösung. In "Lumi teki enkelin eteiseen" begeht ein Mädchen Selbstmord. Im Text heißt es sinngemäß übersetzt: Das Wasser war schwarz wie immer/Der Vater haute nach Schweden ab/die Mutter in den Himmel/Jemand dichtete das Fenster mit Pappendeckel.

Die in Moll gehaltene Volksmelodie zu "Peltoniemen Hintriikan surumarssi" wurde laut dem Artikel früher übrigens auch als Gratulations- und Hochzeitsmarsch gespielt. Die Frage, ob dies möglicherweise mit einer Eigenart der in Nordeuropa heimischen Volksmusik zusammenhängt, wo in der selben Tonart gerne zwischen Dur und Moll hin und her gewechselt wird, beantwortet "Helsingin Sanomat" nicht. (APA)

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