Sonne, Mond und Fußballrund

9. Juli 2006, 19:14
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Eine Danksagung aus den Tiefen des öster­reichischen Raumes, der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt von ORF- und Weltraum-Legende Herbert J. m. Pichler - ein Kommentar der anderen

Ich bin 1921 geboren und hoffe, am 25. September 2006 in guter Gesundheit in Wien einen runden Geburtstag feiern zu können. Ein langes Leben als Arzt und Schriftsteller, in Krieg und Frieden, hat mich bei Freund und Feind alle Schmerzen, Bitterkeiten und alles Glück dieser Welt erleben lassen und mich in viele Länder aller fünf Kontinente geführt. Ich bin sehr dankbar dafür. Der runde Fußball, in die Luft geschossen, erscheint am Himmel dem menschlichen Auge etwa von der gleichen Größe wie Sonne und Mond und gehorcht den gleichen Gesetzen der Schwerkraft (scheinbarer Durchmesser von Sonne und Mond in der Astronomie ca. 30 Bogenminuten, entsprechend ca. 0,5 Bogengrad, etwas wechselnd). Der runde Fußball hat vielleicht deshalb seine geheimnisvolle und unbewusste mystische Wirkung auf die Seelen der internationalen Sportler.

Im Zeitalter des Fernsehens und der internationalen geostationären Satelliten hat die WM 2006 bewiesen, dass das Spiel mit diesem Fußball hunderte Millionen von Menschen auf allen Kontinenten zu Tränen der größten Freude und Tränen der größten Enttäuschung rühren kann. Unser Land Österreich hat durch die Idee der geostationären Satelliten, in 36.000 km Höhe, zur Möglichkeit des Miterlebens der Spiele am lokalen Fernsehapparat sein Scherflein beigetragen. Für die Veranstaltung der WM 2006 ist daher dem Gastgeberland herzlich zu danken.

Ich möchte das von Österreich aus im Namen aller meiner Mitbürger tun und dies mit einer Feststellung verbinden, die mir unverdient nur die Weisheit des Alters geschenkt hat:

Ich finde es im philosophischen Sinne gut und richtig, dass als Abschluss der WM 2006 das Gastgeberland Deutschland den goldenen ersten und den silbernen zweiten Platz der WM nicht besetzt hat.

Deutschland hat bewiesen, dass es eine junge und fähige Fußballmannschaft hat, die zu den besten vier der Welt gehört, den goldenen Ersten und silbernen zweiten Platz hat es aber als großzügiger Gastgeber seinen französischen und italienischen Freunden überlassen. Nichts Besseres hätte man als österreichischer Nachbar Deutschland nach all dem Schrecken in seiner jüngsten Geschichte wünschen können.

Der dritte Platz ist in den Augen der Welt für das erfolgreiche Gastgeberland Deutschland sicher besser und bringt nach Meinung des Österreichers "Mondpichler" auf die Dauer die bessere Nachrede. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 10. Juli 2006)

Prof. Dr. Herbert J. M. Pichler, genannt "Mondpichler", Welt- raumexperte, Arzt und Philo- soph, Autor des Weltbestsellers "Die Mondlandung".
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