8. Etappe: Solo in der Bretagne

10. Juli 2006, 16:43
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Der Franzose Sylvain Calzati riss aus Ausreißergruppe aus und gewann im Alleingang - Bernhard Eisel wird Siebenter

Lorient/Bretagne - Der Mut zum Risiko hat sich für Sylvain Calzati bei der Tour de France gelohnt. Der 27-Jährige setzte sich am Sonntag 25 Kilometer vor dem Ziel der achten Etappe von St. Meen-le-Grand nach Lorient (181 km) aus einer Spitzengruppe ab und feierte einen Solosieg. An der Spitze der Gesamtwertung gab es keine Änderung, der Ukrainer Sergej Gontschar verteidigte vor dem montägigen Ruhetag das Gelbe Trikot erfolgreich. Bernhard Eisel, dessen Equipe im Finish vergeblich die Ausreißer gejagt hatte, belegte Rang sieben.

Eisel sprintete schon zum sechsten Mal unter die Top Ten, doch der neuerliche Spitzenplatz kam für den 25-Jährigen selbst unerwartet. Denn Eisel kämpft seit zwei Tagen mit einer Verkühlung, die sich auch auf die Ohren geschlagen hat. Am westlichsten Punkt der Tour an der südbretonischen Atlantikküste musste er im Spurt des Feldes nur Robbie McEwen (AUS), Daniele Bennati ITA) und Erik Zabel (GER) den Vortritt lassen.

Auf den letzten 40 Kilometern arbeitete praktisch nur noch Eisels Mannschaft Francaise des Jeux an der Spitze des Feldes, die übrigen Teams von Spitzensprintern hatten ihre Kräfte bei heftigem Seiten- und Gegenwind schon zuvor verbraucht. "Es wäre leicht gewesen, hinzukommen. Ich habe QuickStep (Team von Tom Boonen, Anm.) gefragt, ob sie mit uns vorne rollen, aber die haben abgewunken", erklärte Teamchef Marc Madiot.

Eisel hatte gar nicht dafür plädiert, dass seine Teamkollegen für ihn arbeiteten, angesichts seiner Verkühlung hatte er sich nichts ausgerechnet. "Vor dem Start habe ich mich schlecht gefühlt, da wollte ich eigentlich gar nicht fahren", sagte Eisel. Doch es rollte immer besser und im Sprint fühlte sich der Fünfte von Paris-Roubaix recht gut, sodass er zum vierten Mal die Prämie als bester Nachwuchsfahrer einfuhr.

Calzati jubelte über den erst zweiten Erfolg seiner Karriere, der ihm ausgerechnet im wichtigsten Radrennen der Welt gelang. Er distanzierte seine fünf Fluchtgefährten, unter ihnen David Zabriskie (USA/Gesamt-10./2:03 zurück) und Etappensieger Matthias Kessler (GER), in einer Steigung und bestritt danach ein Einzelzeitfahren bis ins Ziel. Am Vortag hatte er in der Prüfung gegen die Uhr als 115. Kräfte gespart. Von den übrigen Ausreißern retteten sich nur noch Kjell Carlström (FIN) und Patrice Halgand (FRA) mit zehn Sekunden Vorsprung auf das Feld ins Ziel.

Für die Chancenreichsten der Gesamtwertung galt es, Kräfte zu sparen. "Es war ein harter Tag, wir sind fast immer Windkante gefahren", bilanzierte Totschnig-Helfer Peter Wrolich. "Das wichtigste war, dass wir wieder ohne Sturz durchgekommen sind."

Zwei Stunden nach der Zielankunft stiegen die Radprofis in Lorient ins Flugzeug ins 520 km entfernte Bordeaux, wo sie nach einstündigem Flug eintrafen.(APA)

Ergebnisse 8. Etappe/St.-Meen-le-Grand - Lorient, 181 km: 1. Sylvain Calzati (FRA/A2R) 4:13:18 Stunden (im Schnitt 42,9 km/h) - 2. Kjell Carlström (FIN/Liquigas) +2:05 Min. - 3. Patrice Halgand (FRA/Credit Agricole) gl. Zeit - 4. Robbie McEwen (AUS/Davitamon) 2:15 - 5. Daniele Bennati (ITA/Lampre) - 6. Erik Zabel (GER/Milram) - 7. Bernhard Eisel (AUT/Francaise Des Jeux) - 8. Luca Paolini (ITA/Liquigas) - 9. Tom Boonen (BEL/Quick-Step) - 10. David Kopp (GER/Gerolsteiner).

Weiter: 36. Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner) - 40. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) alle gleiche Zeit

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