Mutmaßlicher Al-Kaida-Helfer festgenommen

10. Juli 2006, 20:42
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Kieler Deutsch-Marokkaner soll Selbstmordattentäter rekrutiert haben - Kein Hinweis auf Anschlagsplanung in Deutschland

Karlsruhe - In Deutschland ist erneut ein mutmaßlicher Helfer des Terrornetzwerks Al Kaida festgenommen worden. Nach einer Mitteilung der deutschen Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vom Samstag wurde der deutsche Staatsangehörige marokkanischer Herkunft bereits am Donnerstag in Hamburg von Beamten des deutschen Bundeskriminalamts gestellt. Er steht unter dem Verdacht, Selbstmordattentäter für Al Kaida rekrutiert zu haben und Mittelsmann zu dem gesuchten Terrorverdächtigen Said Bahaji gewesen zu sein.

Den Angaben zufolge hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs am Freitag Haftbefehl gegen den Festgenommenen erlassen, dessen Name mit Redouane E. H. angegeben wurde. Dem 36-Jährigen mit Wohnsitz in Kiel (norddeutsches Bundesland Schleswig-Holstein) wird demnach Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung nach Paragraf 129b des Strafgesetzbuchs vorgeworfen. Er habe über zahlreiche Kontakte zum internationalen Netzwerk gewaltbereiter Jihadisten unter anderem in Syrien, Algerien und im Irak verfügt. Laut Bundesanwaltschaft wurden im Zuge der Festnahme auch mehrere Wohnobjekte in Kiel durchsucht.

Überwachte Chats

Der Beschuldigte habe Ende November 2005 in Algerien im Lager einer dort operierenden terroristischen Vereinigung einen Sprengstofflehrgang absolviert. Er sei dringend verdächtig, Al Kaida durch Rekrutierung von Kämpfern zur Begehung von Selbstmordattentaten im Irak und durch Geldzahlungen unterstützt zu haben. "Dieser Verdacht ergibt sich insbesondere aus überwachten Chat-Gesprächen des Beschuldigten", heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Die Einbindung in das weltweit agierende Logistiknetzwerk der Al Kaida belege vor allem seine Funktion als Nachrichtenmittler für den gesondert von der Justiz verfolgten Said Bahaji und dessen in Hamburg wohnende Ehefrau. Bahaji ist nach Angaben der obersten Ermittlungsbehörde dringend verdächtig, Mitglied der Hamburger Zelle um Mohamed Atta gewesen zu sein, die die Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA mit vorbereitet und ausgeführt habe. Bahaji befindet sich laut Bundesanwaltschaft seit dem 3. September 2001 auf der Flucht.

"Es ist davon auszugehen, dass er als Mitglied in die Organisation Al Kaida eingebunden ist", schreibt die Behörde von Generalbundesanwältin Monika Harms weiter. Bahaji wisse, dass er - um seinen derzeitigen Aufenthaltsort weiterhin geheim halten zu können - nur über Nachrichtenmittler, die in konspirativem Verhalten geschult seien, Kontakt mit seiner Ehefrau aufnehmen könne. "Mit dieser vertrauensvollen Aufgabe kann nur eine Person aus dem Logistiknetzwerk der Al Kaida betraut sein", begründet die Bundesanwaltschaft ihren Verdacht. Nach polizeilichen Erkenntnissen habe der jetzt Festgenommene aus Kiel diese Aufgabe des Nachrichtenmittlers übernommen.

Die Festnahme im Auftrag der Generalbundesanwältin sei erfolgt, nachdem es Hinweise dafür gegeben habe, dass der Beschuldigte in Kürze Deutschland verlassen wollte. Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen liegen den Angaben zufolge aber keine Anhaltspunkte dafür vor, dass der Mann Anschläge in Deutschland geplant oder vorbereitet habe. Mit den Ermittlungen wurde das Bundeskriminalamt beauftragt. (APA/AP)

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