Raketentests: Pjöngjang verschärft Ton weiter

15. Juli 2006, 09:42
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UN-Vize-Botschafter Han Song Ryol: Sanktionen wären "Kriegsakt" - Rückkehr zu Verhandlungstisch erst dann, wenn USA eingefrorene Gelder freigibt

Seoul/New York - Im Streit um die Raketentests hat Nordkorea den Ton weiter verschärft. Die Regierung würde internationale Sanktionen als "Kriegsakt" betrachten, sagte der Vize-Botschafter Nordkoreas bei den Vereinten Nationen, Han Song Ryol, laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap. Japan hatte zuvor im UNO-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf eingereicht, in dem Nordkorea bei einer Weiterentwicklung seines Raketenprogramms mit harten Sanktionen gedroht wird. Das Datum für die Abstimmung soll am Montag bekannt gegeben werden.

Verhandlungstisch

Han bekräftigte die Haltung seines Landes, wonach die Führung erst dann an den Verhandlungstisch über das Atomprogramm zurückkehren werde, wenn die US-Regierung eingefrorene Gelder freigebe. Damit verwies er auf Guthaben Pjöngjangs in Macao im Süden Chinas, das wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Geldwäsche eingefroren worden war.

Keine Einigkeit im Sicherheitsrat

Chinas UNO-Botschafter Wang Guangya sagte indes in New York, sollte über die vorliegende Resolution abgestimmt werden, werde es keine Einigkeit im Sicherheitsrat geben. Er sagte nicht, ob China die Resolution mit einem Veto zu Fall bringen oder durch Enthaltung durchgehen lassen werde. "Alle Möglichkeiten sind auf dem Tisch", sagte er. Wang forderte als Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf die Raketentests Nordkoreas eine Erklärung der UNO anstelle der schärferen Resolution.

Nordkorea hatte am Mittwoch trotz internationaler Warnungen sieben Raketen abgefeuert - darunter eine Langstreckenrakete, die Experten zufolge auch Alaska und damit die USA erreichen könnte. Danach kündigte Nordkorea weitere Versuche an, obwohl die internationale Staatengemeinschaft mit einem Proteststurm reagiert hatte. Zudem forderte das abgeschottete Land von Japan mit Nachdruck, bereits verhängte Sanktionen wegen der Tests aufzuheben. Andernfalls sehe sich sein Land gezwungen, schärfere Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sagte Botschafter Song Il Ho der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo. Die Regierung versicherte zugleich, die Raketentests seien gegen niemanden gerichtet gewesen. (APA/Reuters)

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    Han Song Ryol auf dem Weg zur UN in New York.

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