SpanierInnen protestieren gegen Papstbesuch

9. Juli 2006, 21:43
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Die KatholikInnen freuen sich auf ihn, viele SpanierInnen missbilligen aber seine Haltung zu Homosexuellen

Ein Papstbesuch, der Konflikte herausfordert: Valencia - Papst Benedikt XVI. will die christlichen Familienwerte in den Mittelpunkt seines Kurzbesuchs im spanischen Valencia stellen. Er wird für Samstag zum "5. Katholischen Weltfamilientreffen" erwartet, am Sonntag soll er dort vor bis zu einer Million Gläubigen eine Messe zelebrieren.

Das stößt allerdings in Spanien auf Kritik. In großen Demonstrationen protestierten viele gegen den Papstbesuch und Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero ließ inzwischen wissen, dass er diesen Gottesdienst nicht besuchen werde.

Beten für Opfer

Wenige Tage nach dem schweren U-Bahn-Unglück in Valencia hat sich der Papst für eine persönliche Geste gegenüber den 42 Todesopfern und deren Angehörigen entschieden. Auf dem Weg vom Flughafen zur Kathedrale will er nach Angaben des Vatikans an der U-Bahn-Station über der Unfallstelle beten und ein Blumengebinde niederlegen.

Benedikt XVI. wird auf seiner dritten Auslandsreise seit seinem Amtsantritt wenig mehr als 26 Stunden in Valencia bleiben. Dennoch wird erwartet, dass er seinen Aufenthalt für einige grundlegende Worte zu einem der strittigsten Themen der katholischen Kirche nutzt: Seit die westlichen Staaten reihum auch Homosexuellen familienähnliche oder rechtlich gleichgestellte Verbindungen erlauben, äußert sich der Vatikan offensiv zur Frage, was eine Familie eigentlich ausmacht.

Erst vor einem Monat verurteilte die Kirche Eheschließungen Homosexueller und den Kinderwunsch lesbischer Frauen als Leugnung Gottes. Benedikt XVI. kritisierte sie als Ausdruck einer "anarchischen Freiheit".

Wie in anderen traditionell katholischen Ländern liegt auch in Spanien die Kirche in dieser Frage mit der Regierung in heftigem Streit. "Die Ehe als Institution und Grundpfeiler der Menschheit ist nicht mit anderen Verbindungen vergleichbar", schrieb der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Ricardo Blazquez, in einem Grußwort zum Weltfamilientreffen. Die Kirche verurteile alle Versuche, die Ehe mit anderen Formen menschlichen Zusammenlebens gleichzusetzen.

"Homosexuellen-Ehe" akzeptiert

Unter der sozialistischen Regierung von Premier Zapatero hat Spanien jedoch genau dies im vergangenen Jahr erlaubt: Homosexuelle dürfen einander in aller Form das Ja-Wort geben und und sie haben auch beim Adoptions- und Erbrecht die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare erhalten. Seitdem sind etwa zehn Prozent der Paare, die in Madrid heiraten, gleichen Geschlechts.

Diese Paare fühlen sich durch die gesellschaftliche Akzeptanz gestärkt. "Wir sind eine Familie, wir fühlen wie eine Familie und die Öffentlichkeit akzeptiert das", sagt Carlos Baturin. Er und sein Partner waren das erste schwule Paar, das sich in Spanien das Ja-Wort gab. (Jane Barret, Anna Valderama, DER STANDARD, Print, 8.7.2006)

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    "Wir erwarten dich nicht" steht auf den Stirnen dieser Mädchen, die damit gegen den Papstbesuch in Valencia demonstrieren.
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