minutenlicht

8. Juli 2006, 18:50
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die sache mit dem minutenlicht auf den toilettanlagen finde ich schon zuviel der sparsamkeit...

... mir ist es passiert, ich verrate nicht das land, in dem das schweizer kurhotel stand, da ging plötzlich das licht aus. zunächst hat es mich nicht besonders gestört, ich hatte sozusagen eine sichere position inne, aber als von der ruhephase in die sequenz der handlung übergegangen werden musste, begann ich im gehäuse herumzufingern: wo ist das klopapier, wo der spüler und nicht zuletzt, wo ist das licht.

ich weiß nicht mehr, in wieviele feuchtbiotope ich tappte, bevor ich zur überzeugung kam, dass sich der lichtschalter außen befinden musste. ist auch klar: stromschalter haben in zivilisierten ländern in feuchträumen nichts zu suchen. ich zog also die hose über alles ungeputzte und tappte nach der türschnalle. ich fand sie. welche enttäuschung, da auch im vorraum das minutenlicht ausgegangen war. die suche nach einem zweiten ist meist schwieriger als nach einem ersten. frage: kinder- oder erwachsenenhöhe. kein erfolg, das fortschrittliche land war doch nicht so fortschrittlich. da wurde es licht.

wiederholung der schöpfung als farce. ein weiterer minutenlichtbenutzer betrat den raum. ich vollzog in militärischer eile - war der chef des hauses ein reserveoffizier? - meine handlungen und beendete die letzte sequenz. beim schließen der türe hatte ich den eindruck, dass sich das minutenlicht schon wieder ausgeschaltet hatte. ich ließ also, macht ohne häme, ein opfer der sparsamkeit zurück. es hatte, zu meiner beruhigung, auch den haarschnitt eines reserveoffiziers. (Friedrich Achleitner/ DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.7.2006)

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