Geduld bewahren

12. Juli 2006, 15:57
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China ist das Land der Gegensätze. Direkt zum Ziel mit indirekter Kommunikation

China ist das Land der Gegensätze. Einerseits kommunistische Planwirtschaft und andererseits Marktwirtschaft; 5000 Jahre Kultur und Kulturvernichtung innerhalb von zehn Jahren (Kulturrevolution); viele gesetzlose Räume und Zwang zur Vervollständigung des Gesetzsystems (durch WTO-Beitritt), um nur einige dieser Gegensätze anzuführen.
Genau diese Gegensätze beeinflussen das Verhalten der Chinesen massiv. Chinesen kommunizieren so indirekt, wie die Chinesische Mauer gebaut ist - mit unendlich vielen Windungen. Welche Dinge sind also zu beachten?

Geduld:

Grundsätzlich gilt: Geduld bewahren. In China läuft vieles kompliziert und bürokratisch ab - auch Gespräche scheinen unendlich zu dauern. Trotzdem: Zeigen Sie sich geduldig und lassen Sie den Gesprächspartner ausreden. Keinesfalls sollte man sich anmerken lassen, dass man ungeduldig wird, denn häufig wird diese Methode eingesetzt, um den Gesprächspartner mürbe zu machen. Letztlich ist Sich-Zeit-Nehmen auch ein Zeichen von Wertschätzung.

Höflichkeit vs. Ehrlichkeit:

Chinesen kennen den Unterschied zwischen reiner Höflichkeit mit verschiedenen Floskeln und Ehrlichkeit sehr gut. Dementsprechend werden Ihnen auch Fragen gestellt, um herauszufinden, wie Sie es meinen. Im Regelfall gilt: lieber gleich offen und höflich, aber nicht zu direkt die Meinung sagen.

Chinesischer Witz:

Es ist immer schwierig, Witze aus einem Kulturkreis in einen anderen zu übertragen. Trotz dieser Schwierigkeiten ist es für die Gesprächsatmosphäre sehr gut, wenn ein Europäer auch einmal einen Witz erzählt. Chinesen lachen gerne. Vermeiden Sie allerdings Witze über heikle Themen wie z. B. über die Politik sowie ironische Bemerkungen.

Schweigen:

Schweigen gilt in China als Kommunikationsmaßnahme - Schweigen ist sogar die schärfste "Waffe" in der Kommunikation. Versuchen Sie also herauszufinden, was Ihr Gesprächspartner sagen möchte, wenn er nichts sagt. Sie können auch versuchen, diese "Waffe" selbst einzusetzen.
Fazit: Die indirekte Kommunikation mit Chinesen ist zwar für Europäer sehr mühsam, aber der erfolgversprechendste Weg. (Hongying Foscht, Der Standard, Printausgabe 8./9.7.2006)

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