Milliarden für den Energiehunger

7. Juli 2006, 19:28
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Damit die pro Jahr um bis zu 2,5 Prozent steigende Stromnachfrage befriedigt werden kann, setzen die heimischen Stromfirmen wieder vermehrt auf Wasserkraft

Damit die pro Jahr um bis zu 2,5 Prozent steigende Stromnachfrage befriedigt werden kann, setzen die heimischen Stromfirmen wieder vermehrt auf Wasserkraft. Derzeit sind österreichweit bereits 2300 Wasserkraftwerke in Betrieb.

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Wien - Mit Milliardeninvestitionen wollen sämtliche österreichische Stromfirmen in den nächsten Jahren den steigenden Energiehunger in geschäftlichen Erfolg ummünzen. Damit die jährlich um rund 2,0 bis 2,5 Prozent wachsende Stromnachfrage gedeckt werden kann, will man jetzt auch wieder verstärkt auf die Kraft des Wassers setzen.

Von den rund drei Milliarden Euro, die die Branche in den kommenden fünf bis sechs Jahren für ihre Ausbauvorhaben locker machen will, sind etwa 1,5 Milliarden Euro für Wasserkraftprojekte vorgesehen.

Das größte Projekt zurzeit ist das so genannte Limberg II. Damit wird Österreichs größter Stromerzeuger, der Verbundkonzern, die Leistungskapazität der Kraftwerksgruppe Kaprun von 353 auf 833 Megawatt (MW) mehr als verdoppeln. Der Spatenstich für das 365 Millionen Euro teure Pumpspeicherwerk ist am Dienstag dieser Woche erfolgt.

Gerlos II ab dem Frühjahr

Der erste Strom aus dem unterirdisch in Kavernen gebauten Kraftwerksblock soll planmäßig zur Jahreswende 2011/12 in das Netz eingespeist werden.

Neben Kaprun ist der Verbund auch noch mit fünf anderen Neu- bzw. Ausbauten bestehender Wasserkraftstandorte beschäftigt, darunter Gerlos II im Tiroler Zillertal. Dieser Kraftwerksblock soll schon ab nächstem Frühjahr Strom liefern. Auch die Salzburg AG, die Vorarlberger Illwerke und die Tiwag in Tirol treiben mit Volldampf neue Projekte voran.

Gegen die Pläne der Tiwag hat sich zuletzt heftiger Widerstand formiert. Erst Ende Juni hat die Tiroler Landesregierung der landeseigenen Stromgesellschaft grünes Licht gegeben, Planungen für den Kraftwerksausbau Kaunertal, den Ausbau der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz, den Neubau des Speicherkraftwerks Malfontal und den Neubau des Pumpspeicherkraftwerks Matrei in Osttirol voranzutreiben.

Spitzenposition

Österreich nimmt im internationalen Vergleich schon jetzt eine Spitzenposition bei der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft ein. Nur Norwegen und Schweden, die ebenfalls reichlich mit Flüssen und Seen gesegnet sind, produzieren in absoluten Mengen noch mehr Strom aus Wasserkraft.

Wasserjahr

In einem durchschnittlichen "Wasserjahr"werden in Österreich rund 40 Milliarden kWh Strom aus Wasserkraft erzeugt, das sind etwa 60 Prozent des gesamten inländischen Stromverbrauchs von rund 67 Milliarden kWh. Zum Vergleich: in den 25 Staaten der Europäischen Union liegt der gesamte Wasserkraftanteil an der Stromerzeugung bei durchschnittlich 13 Prozent.

Zwischen den heimischen Ufern des Bodensees und dem Neusiedlersee sind derzeit insgesamt rund 2300 Wasserkraftanlagen in Betrieb - mit einer installierten Leistung von etwa 11.700 MW.

Davon sind nach Angaben der österreichischen Energieagentur wiederum gut 2100 Anlagen beziehungsweise knapp 1000 MW Kleinwasserkraftwerke (bis zu zehn MW), die nach den Vorgaben des Ökostromgesetzes speziell gefördert werden.

Unter den größeren Kraftwerken sind insgesamt 86 Laufkraftwerke mit einer Leistung von etwa 4400 MW und etwa 60 Speicherkraftwerke mit einer Leistung von rund 6300 MW. Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.7.2006)

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    Österreich hat wegen seines Wasserreichtums - hier der Überlauf des Drau-Flusskraftwerks Feistritz in Kärnten - bei erneuerbaren Energieträgern gute Karten.

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