Israelis festigen Positionen in Gaza

8. Juli 2006, 16:17
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Anhaltender militärischer Druck - Haniyeh: "Zerstörung der Infrastruktur"

Ein deutliches Abflauen der Kämpfe im Gazastreifen brachte der gestrige Freitag, nachdem die Israelis ihre Positionen rund sechs Kilometer jenseits des Grenzzauns konsolidiert zu haben schienen. Im Morgengrauen hatte die Luftwaffe zwei Angriffe geflogen, bei denen offenbar ein Hamas-Mann getötet und drei verletzt wurden.

Bei Beit Lahya soll ein zweiter Palästinenser durch Panzerfeuer getötet worden sein. Trotz des militärischen Drucks, dessen erklärtes Ziel es ist, die palästinensischen Raketenwerfer zu neutralisieren, flogen aber bis Freitag Früh binnen zwölf Stunden wieder rund zehn Kassam-Raketen in Richtung Israel.

Kommandos mit Gewehren und Panzerfäusten

Die Israelis versuchten, eine Art Pufferzone durchzusetzen, um die Distanz zwischen palästinensischen Raketenwerferkommandos und israelischen Dörfern und Städten zu vergrößern. Am Mittwoch war erstmals die Großstadt Aschkelon getroffen worden. Den Palästinensern war es gelungen, die Reichweite der Kassams auf mindestens zwölf Kilometer zu vergrößern.

Israels Vorstoß bedeutete aber auch, dass die Konfrontation zum Teil in verbautes Gebiet bei den palästinensischen Städtchen Bet Lahya und Bet Hanoun getragen wurde, wo Kommandos mit Gewehren und Panzerfäusten stundenlang Widerstand leisteten. Einer der Männer drohte den Israelis Überraschungen an: "Wenn sie 100 Meter in die Luft fliegen werden, werden sie merken, dass es bei uns versteckte Dinge gibt, die keiner sieht."

"Sumpf von Gaza"

Mehr als 20 Palästinenser waren am Donnerstag getötet worden, darunter Zivilisten. Die Israelis verloren einen Soldaten. Hamas-Premier Ismail Haniyeh sprach von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit"- Israel wolle "weite Teile des Gazastreifens wiederbesetzen, die Infrastruktur zerstören und die palästinensische Regierung stürzen". Israels Führung beteuerte, dass an eine permanente Besetzung nicht gedacht sei: "Wir haben nicht die Absicht, im Sumpf von Gaza zu versinken", sagte Verteidigungsminister Amir Peretz.

Die Israelis signalisierten, dass die Truppen schon binnen Tagen teils wieder zurückgezogen werden könnten, auch weil sie mit wachsender internationaler Kritik rechnen. Im UN-Sicherheitsrat blockierten aber die USA und Frankreich einen Resolutionsentwurf arabischer Staaten, der den sofortige Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen forderte. Die "Anti-Raketen-Kampagne"schien das Problem des verschleppten Soldaten, mit dem die Krise vor fast zwei Wochen begonnen hatte, in den Hintergrund zu drängen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.7.2006)

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