Es war einmal, und es wird wieder sein

9. Juli 2006, 18:16
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Italien und Frankreich spielen am Sonntag zum fünften Mal bei einer Endrunde gegeneinander, die Bilanz ist ausgeglichen

Berlin - Es war am 2. Juli 2000, und es war das EM-Finale im Stadion "De Kuip" von Rotterdam. David Trézéguet traf in der 103. Minute zum 2:1 für Frankreich und gegen Italien, danach wurde abgepfiffen, damals gab es noch das Golden Goal. Die Franzosen hatten das Double geschafft, zwei Jahre zuvor waren sie im eigenen Land Weltmeister geworden.

Bis zur 90. Minute hatte es in Rotterdam nach einem Sieg der Italiener ausgesehen, die durch Marco Delvecchio (55.) vorn lagen. Dann schoss der eingewechselte Sylvain Wiltord seine Mannschaft in die Verlängerung, den Rest besorgte eben Trézéguet.

Am Sonntag in Berlin stehen immerhin noch sieben Kicker von 2000 in den Anfangsformationen. Fabien Barthez, Lilian Thuram, Patrick Vieira, Zinédine Zidane und Thierry Henry beziehungsweise Francesco Totti und Fabio Cannavaro. Im Team der Azzurri kickte damals übrigens auch Gianluca Pessotto, der vor zwei Wochen einen Selbstmordversuch unternahm.

Viermal hatten sie direkten Kontakt bei WM-Endrunden, es gab für beide Seiten je zwei Siege. Auf dem Weg zum Titel 1998 benötigte Frankreich im Viertelfinale gegen die Italiener ein Elferschießen, um nach torlosen 120 Minuten auf Titelkurs zu bleiben. Luigi di Biagio traf im Stade de France mit dem zehnten Schuss die Latte. Die Schützen zum 4:3 für den Gastgeber waren Zidane, Trézéguet, Henry und Laurent Blanc, Bixente Lizarazu hatte vernebelt.

Auch 1986 in Mexiko-Stadt schickte die Équipe Tricolore die Italiener vorzeitig nach Hause. Unter der Regie von Michel Platini, der in der 14. Minute das Führungstor erzielte, gelang dem damals regierenden Europameister im Achtelfinale ein 2:0-Sieg gegen die in die Jahre gekommenen Italiener, in deren Reihen noch fünf Weltmeister von 1982 standen. Yannick Stopyra (57.) machte den Sturz des Favoriten perfekt.

In den ersten beiden Duellen 1938 und 1978 hatte Italien den Oberfuß behalten. Auf dem Weg zum zweiten Titel ließ sich die Squadra Azzurra am 12. Juni 1938 im Viertelfinale auch vom WM-Gastgeber nicht aufhalten und kam durch zwei Tore von Silvio Piola zu einem 3:1-Sieg. 40 Jahre später und in der argentinischen Stadt Mar del Plata reichte Frankreich das Blitztor von Bernard Lacombe nach 31 Sekunden nicht zum ersten Gruppen-Sieg. Paolo Rossi und Renato Zaccarelli drehten den Spieß um.

Nach dem Showdown in Berlin ist übrigens ein baldiges Wiedersehen gewiss. Denn die Finalisten von 2006 wurden in der Qualifikation zur EURO 2008 gemeinsam in die Gruppe B gelost. In der vergnügen sich noch die Ukraine, Schottland, Litauen, Georgien und die Färöer. Die zwei besten Teams fahren dann nach Österreich und/oder in die Schweiz, vermutlich sind es Frankreich und Italien. (red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 8./9.7. 2006)

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