Ein Marktplatz für schmutzige Luft

7. Juli 2006, 19:29
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An der Energiebörse wird mit Strom und CO2-Emissionsrechten gehandelt

Leipzig – Keine gestressten Broker, kein hektisches Telefonieren – obwohl die Strombörse Leipzig, untergebracht in einem prächtigen, historischen Kaufhaus, ähnlich wie eine Wertpapierbörse funktioniert und auch dem Börsengesetz unterliegt. Konzentriert beobachten die sieben Mitarbeiter der Abteilung Market Operations der European Energie Exchange (insgesamt 34 Mitarbeiter) am "Trading-Floor" ihre Monitore. "Wir betreiben ja keinen Parketthandel, deshalb verläuft die Arbeit sehr ruhig und unspektakulär", sagt Katrin Berken. Dabei treffen sich mittlerweile 148 Teilnehmer aus 19 Ländern an Deutschlands einziger Energiebörse. Auch acht Österreicher machen an der EEX Geschäfte, darunter die Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation und die ÖBB-Infrastruktur Bau AG.

Spotmarkt

Am Spotmarkt (kurzfristiger Handel) beginnt das Geschäft mit Strom und CO2-Emissionsrechten um halb acht Uhr morgens. Da wendet sich etwa das Stadtwerk X nach einem Kälteeinbruch an die Strombörse und gibt elektronisch sein Gebot bekannt: "Brauche kurzfristig 100 Megawattstunden, zahle 20 Euro pro Megawattstunde." Die Anfragen werden ebenso gebündelt wie die Angebote von Händlern, die überflüssige Energie loswerden wollen. Auktion ist jeden Mittag um zwölf Uhr, am nächsten Tag hat der Bieter seinen Strom. Kunde und Käufer bleiben anonym.

Terminmarkt

Längerfristige Geschäfte werden auf dem Terminmarkt abgewickelt, dort wird auch mit Kohle gehandelt. Dabei können Stromhändler, Stadtwerke oder Industriebetriebe sich Strom zu fixen Preisen bis ins Jahr 2012 sichern. "Bei uns kann jedoch jedes Unternehmen handeln, das die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, nicht nur Großkunden. Wir sind ein Großhandelsmarkt, der Strom der bei uns gehandelt wird, wird von den Erzeugern in das Höchstspannungsnetz eingespeist und auch dort entnommen", sagt Berken. Das kleinste handelbare Volumen am Spotmarkt ist 0,1 MW, am Terminmarkt ein MW – das entspricht etwa der Leistung von tausend Haarfönen.

Seit vorigem Jahr macht die EEX auch Geschäfte mit verschmutzter Luft. Gemäß dem Nationalen Allokationsplan (NAP) können Industrieunternehmen ja mit ihren Emissionen handeln. Der Preis für eine Tonne CO2 liegt derzeit zwischen 14 und 17 Euro.

Mittlerweile werden an der Strombörse Leipzig, die 2002 aus der Fusion der EEX mit Sitz in Frankfurt und der Leipzig Power Exchange hervorgegangen ist, 15 Prozent des deutschen Stromverbrauches gehandelt. 2005, dem bisher erfolgreichsten Jahr, wechselten am Strom Spot- und Terminmarkt 602 TW den Besitzer – 52 Prozent mehr als im Vorjahr. Mittlerweile werden 15 Prozent des deutschen Stromverbrauchs am Leipziger Strommarkt gehandelt. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.7.2006)

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