Federer gegen Angstgegner Nadal

9. Juli 2006, 18:03
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Titelverteidiger ließ dem Schweden Björkman im Semifinale nur zwei Games - Spanischer Sandspezialist fertigte Baghdatis ab

London - Roger Federer hat das Endspiel (Sonntag 15 Uhr) in Wimbledon erreicht und greift am Sonntag nach seinem vierten Titel in Serie. Der Topfavorit aus der Schweiz feierte am Freitag beim Grand-Slam-Tennisturnier in London einen klaren 6:2,6:0,6:2-Triumph über den chancenlosen Schweden Jonas Björkman, der zum ersten Mal im Halbfinale der All England Championships stand.

Im Finale hat Federer auch die Chance zur Revanche für die Niederlage bei den French Open in Paris. Spaniens Sandplatzkönig Nadal besiegte im Duell zweier Halbfinal-Neulinge in London Marcos Baghdatis aus Zypern in 2:26 Stunden 6:1,7:5,6:3 und erwartet nun seinen Dauer-Rivalen zum siebenten Vergleich. Nur einen davon hat der zweifache Paris-Sieger verloren.

"Aber dies hier ist der Belag von Roger, auch wenn ich ihn zuletzt einige Male geschlagen habe, müsste ich schon das beste Match meiner Karriere spielen, um diese Serie fortzusetzen", meinte Nadal, der nach dem Matchball auf den Rasen sank und sich von den 13.800 Zuschauern feiern ließ. "Es ist ein Traum für mich." Federer meinte dagegen nach der Lehrstunde für Björkman im Hinblick auf das neuerliche Duell mit Nadal: "Das wird ein ganz anderes Match."

Zuletzt vier Siege gegen den Galaktischen

Nadal hat die letzten vier Endspiele gegen Federer allesamt für sich entschieden und könnte nun der erste Spieler seit Björn Borg 1980 werden, der im selben Jahr das Double Paris/Wimbledon schafft. Gegen Baghdatis, den Federer im Finale der Australian Open bezwungen hatte, bewies der Mallorquiner einmal mehr, dass er inzwischen auch auf Rasen zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist. Mit 20 Jahren und 36 Tagen ist er der jüngste Finalist in Wimbledon seit Boris Becker 1986. Überdies ist er der erste Spieler seit Andre Agassi 1999, der sowohl in Paris als auch in London das Endspiel erreichte.

In diesem wartet nun aber ein Mann, der ohne Satzverlust ins Finale stürmte. "Ich bin schon überrascht, dass es bisher so locker ging", meinte Federer nach dem glatten Triumph. "Jetzt freue ich mich auf das Finale und hoffe, ein weiteres Mal eine Top-Leistung bringen zu können." Den zehn Jahre älteren Björkman, der sein erstes Halbfinale in Wimbledon spielte, führte er bis auf wenige Ballwechsel vor. Es wurde die nach Punkten höchste Demütigung seit 1922 und Federers 47. Rasensieg in Serie.

Federer übermächtig

Für seinen großen Vorgänger Pete Sampras steht Federer als neuer Champion schon so gut wie fest. "Roger hat alles, um meine Rekorde zu brechen", sagte der siebenfache Wimbledonsieger, der als bis dato letzter Tennisprofi vier Mal in Serie an der Church Road triumphiert hat (1997-2000).

Wie übermächtig der Weltranglisten-Erste auf dem Heiligen Rasen ist, musste Björkman schon nach wenigen Minuten der Partie erkennen, die im regnerischen London erst mit zwei Stunden Verspätung begonnen hatte. Schon im dritten Spiel kassierte er das erste Break. Auch danach blieb ihm nur das Nachsehen.

Björkman genoss trotzdem jede Sekunde seines zweiten Halbfinals bei einem Grand-Slam-Turnier. "Ich weiß, dass ich in meinem Alter nicht mehr so oft die Chance zu solch einem Match bekomme", sagte der mit 34 Jahren älteste Wimbledon-Halbfinalist seit Jimmy Connors 1987. "Ich freue mich, dass ich gegen den besten Spieler der Welt und einen wirklich guten Freund antreten durfte." Am Ende hatte er wenigstens vier "Ehrengames" für sich verbucht.

Halbfinal-Aus für Paszek

Österreichs letzte Vertreterin Tamira Paszek kämpfte dagegen im Juniorinnen-Halbfinale wie eine Löwin. Gegen die als Nummer sechs eingestufte Slowakin Magdalena Rybarikova wehrte die als Nummer zehn gesetzte Vorarlbergerin im zweiten Durchgang beim Stande von 5:6 sogar zwei Matchbälle ab, ehe sie im Tie-Break den Satzausgleich schaffte. Doch im Entscheidungssatz kassierte Paszek gleich das Break zum 0:3, die Partie war gelaufen. Rybarikova hielt das Break und siegte am Ende 6:3,6:7 (4),6:3. (APA/dpa)

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