Ein Rock wie ein Käfig

18. Juli 2006, 13:43
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Die Krinoline, eigentlich ein Gestell unter dem Rock, ging Mitte des 19. Jahrhunderts als Begriff auf die gesamte Kleidsilhouette über

Um eine großzügige Weite des Kleidrocks zu erlangen, begann man um 1840 herum den zweituntersten Unterrock mit Rosshaar zu durchziehen bzw. auch den Saum deselben mit Strohflechten zu verstärken. Auf diese Weise entstand die Krinoline (frz. "crin" = Rosshaar), also ein mit Rosshaar versteifter Unterrock.

Zwei Jahre später erfolgte die sogenannte "Crinolisation", das bedeutet die Verwebung des Unterrockstoffs aus Leinen, Baumwolle, Seide oder Taft mit Rosshaar - siehe dazu auch den Artikel Unterröcke. Die Bezeichnung "Krinoline" ging dann auf die gesamte Kleidsilhouette über und war speziell im zweiten Rokoko up to date, als die typischen Rockvolants, Pagodenärmel und die "Capote" (Regenmäntel) hinzukamen.

Stahlreifen- und Käfig-Krinoline

1855 ging die Französin Millet daran, Metallstreifen in den Unterrock einzunähen. Der Engländer Thomson soll dann ein Jahr später die "künstliche" bzw. "Stahlreifen-Krinoline", umgangssprachlich auch "Käfig-Krinoline" (frz. jupe cage) erfunden haben. Diese bestand aus horizontalen, nach unten hin größer werdenden Stahlreifen, die durch vertikale Bänder verbunden waren. "Trotz des enormen Verbrauchs an Stahl - die metallurgischen Werke in Sachsen stellten in zehn Jahren 9,6 Millionen Stahlreifen-Krinolinen her, von denen jede etwa 90 Ellen Metalldraht erforderte - war die neue Krinoline bedeutend preisgünstiger als der mit Rosshaar versteifte Unterrock", schreibt Ingrid Loschek in ihrem Mode- und Kostümlexikon. Dabei wurde der Terminus "Krinoline" auch für den Stahlreifenrock beibehalten.

Crinoline magique und Porte-jupe

Eine weitere Neuheit brachte der Franzose Dillirac auf: die "Crinoline magique" konnte wie ein Regenschirm verkleinert (zusammen geklappt) oder vergrößert (aufgespannt) werden. Kurz darauf wurde die praktische "Porte-jupe" (frz. Rockträger) entwickelt, mit der die Krinoline ein wenig vom Boden hochgezogen werden konnte, um den Rock vor dem Straßenschutz zu schonen.

So eine Krinoline konnte im wahrsten Sinn des Wortes ganz schön ins Gewicht fallen. Die leichteste und zugleich wertvollste war der sogenannte "Cage diamant" (frz. Diamantkäfig"), die "nur" drei Kilogramm wog.

Polonaise und Schleppe

Im Jahr 1858 gestaltete sich die moderne Krinoline kegelförmig und die äußeren Volants fielen weg. Ihren absoluten Höhepunkt erreichte sie übrigens Anfang der 1860er-Jahre, als sie mit bis zu acht Metern schleppendem Saumumfang die größte Rockweite erzielte. In der Folge wurde der Kleidrock öfter hochgerafft, wodurch die sogeannte "Polonaise" entstand. 1862 erhielten die Stahlreifen eine ovale Form, die den Rock an der Vorderseite flach abfallen und nur im Hinterteil weit abstehen ließ und zugleich eine Schleppe bildete.

Aus der Mode kam die Krinoline durch die Ablösung der "Turnüre" 1869. Erst Vivienne Westwood verhalf ihr im Jahr 1984 mit ihren "Mini-Crinis" in Form von engen, mit Pokissen unterstützten Miniröcken zu einem zaghaften Aufleben, die sich allerdings auf den Laufsteg beschränkten. (dabu)

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    Klassisches Krinolinen-Modell

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    Turnüre (links) und Krinoline (rechts)

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    Das Käfig-Modell

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    Die Ovalform mit Schleppe

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