Sportarzt: Flächendeckendes Doping an der Spitze

9. Juli 2006, 18:10
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Für Tiroler Mediziner Moosburger sind heute erbrachte Leistungen ohne Manipulation nicht denkbar

Vitré - Kurt Moosburger nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Doping sei für die heute erbrachten Leistungen im Spitzensport und damit auch im Radsport unerlässlich und werde praktisch flächendeckend betrieben, sagt der Tiroler Sportmediziner. Doping diene der Leistungssteigerung, bei Langzeitbelastungen wie etwa der Tour de France aber auch der besseren Erholungsfähigkeit.

"Man kann ohne Doping eine schwere Alpenetappe absolvieren. Doch danach sind die Muskeln ausgebrannt. Man braucht - je nach Trainingszustand - ein bis drei Tage, um zu regenerieren", erklärte Moosburger. Die Profis hätten aber nur wenige Stunden der Erholung bis zur nächsten Etappe. "Manche spritzen sich daher Wachstumshormone, andere nehmen ein Testosteronpflaster oder Cortison. Auch deshalb, damit die Schmerzen nicht zu groß werden."

Moosburger erläutert die aus seiner Sicht gängige Praxis: "Man klebt ein handelsübliches Testosteronpflaster, wie es zur Hormon-Ersatztherapie bei Männern eingesetzt wird, auf den Hodensack und belässt es dort für etwa sechs Stunden. Die geringe Dosis reicht nicht aus, einen positiven Befund beim Dopingtest zu erzeugen, aber der Körper spürt tatsächlich eine schnellere Erholung."

Der Sportarzt aus Hall erstellt selbst keine Leistungsdiagnostik für Radprofis und stellt klar, dass er für den in den spanischen Dopingskandal verwickelten Jörg Jaksche nur Untersuchungen für den UCI-Pass vorgenommen habe.

Transparenz

Moosburger ist gegen eine Freigabe des Dopings, tritt aber für Transparenz ein. "Wenn man solche Leistungen sehen will, muss man akzeptieren, dass das sauber nicht möglich ist." Man dürfe nichts beschönigen, es sei für Insider augenscheinlich, wie sich Athleten durch diverse Produkte verändern.

Doping dürfe nicht kriminalisiert werden, auch wenn es im Sport Betrug darstelle. "Kriminell sind die Dealer, die daran verdienen", sagte Moosburger. Und meinte damit auch jene Radprofis, die im Ausland etwa EPO kaufen und dann an Kollegen weitergeben, wobei auch Jugendliche zu diesen Substanzen greifen.

Der deutsche Arzt Ernst Jakob, der im Deutschen Skiverband auch Ausdauersportler betreut und als Teamarzt des Gerolsteiner-Rennstalls bei der Tour ist, will hingegen nicht an flächendeckendes Doping glauben. "Mit guten genetischen Voraussetzungen und perfekter Vorbereitung kann man die Tour auch ohne Doping erfolgreich fahren." (APA/dpa)

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