Europa: Übernahmen beflügeln Kurse

11. Juli 2006, 13:45
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Ein Kommentar von Christoph Schaubmayr aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Aktienmärkte wurden zu Wochenbeginn von Spekulationen auf eine weitere Übernahmewelle beflügelt. Insgesamt konnten 13 von 18 europäischen Indizes eine Steigerung aufweisen. Anfangs konnten vor allem die Ölunternehmen im Zuge der ungebremsten Treibstoffnachfrage in den USA und des dadurch auf über USD 75 gestiegenen Ölpreises zulegen. Mitte der Woche verursachten nordkoreanisch Raketentests einen leichten Dämpfer, wobei diese Kursabschläge nicht von Dauer sein dürften. Da es bei der Zinsentscheidung der EZB keine Überraschung gab und der Leitzins bei 2,75% belassen wurde, gibt es auch von dieser Seite keine Verunsicherung.

Gewinner waren in erster Linie die potenziellen Übernahme- und Fusionskandidaten. Die BBVA Aktie profitierte von Spekulationen über eine mögliche Fusion mit HSBC. Banco Popolare Italiana konnte sogar einen 5,7% Kursgewinn verbuchen. Die Bank wird gerüchteweise von mehreren ausländischen Banken umworben. Zu den Gewinnern im Ölsektor zählten zu Wochenbeginn vor allem Royal Dutch Shell und Total SA. Beide mussten jedoch im Zuge der Nordkoreaentwicklungen und einer Ankündigung der irakischen Regierung, wieder Rohöl bereitzustellen, Kursverluste hinnehmen. Am Donnerstag folgte jedoch wieder ein leichter Anstieg. Ähnlich erging es dem Rohstoffsektor, der sich am Tag nach den Nordkorea-Schlagzeilen wieder einigermaßen erholen konnte. Lediglich BP konnte in der letzten Woche eine durchgängig positive Performance aufweisen.

Zu den Verlieren zählen in dieser Woche ohne Zweifel die Autoproduzenten. Dies ist hauptsächlich auf den verschärften Wettkampf mit den asiatischen Konkurrenten zurückzuführen. Das Gewinnwachstum wird in dieser Branche den letzten Prognosen zu Folge deutlich geringer ausfallen als von den Analysten zuletzt erwartet worden war.

Die Fiat-Aktie verlor aufgrund gesunkener Marktanteile. Daimler Chrysler musste ebenfalls auf Grund gefallener US Autoverkäufe im Juni Kursverluste hinnehmen. Auch Renault blieb vom Kursverfall nicht verschont, wobei in diesem Fall der Grund in einer ablehnenden Haltung des Marktes gegenüber einer geplanten Allianz mit GM zu suchen ist.

Da noch kein Ende der Übernahmewelle in Sicht ist, kann man durchaus mit einer weiteren positiven Performance an den europäischen Märkten rechnen. Hinzu kommt, dass auch die Entwicklungen in Nordkorea keine nachhaltige Bedrohung für die Aktienmärkte darstellen sollten.

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