Die letzte Zugabe des Zauberers

9. Juli 2006, 20:47
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Zinedine Zidane, dreifacher Weltfußballer, absolviert im WM-Finale sein letztes Spiel - Tränen wird es am Ende auf jeden Fall geben

Berlin/Wien - Auf der finalen Weltmeisterschaftsbühne des Berliner Olympiastadions hebt sich am Sonntag (20 Uhr) zum letzten Mal der Vorhang für einen der größten Fußballspieler aller Zeiten. Im WM-Endspiel gegen Italien kann der Franzose Zinedine Zidane das außergewöhnliche Schlusskapitel seiner Karriere schreiben. Der "historische Moment" wird 90 oder 120 Minuten dauern, bis sich "Zizou" endgültig von seiner weltweiten Fangemeinde verabschiedet.

Spätestens mit seiner von vielen Seiten nicht mehr erwarteten Rückkehr zur Top-Form hat sich der dreifache Weltfußballer endgültig auf Augenhöhe mit den größten Größen der Zunft gespielt. Sein 108. Länderspiel (30 Tore) wird das 785. Wettbewerbsspiel (150 Tore) des scheidenden Kapitäns der "Equipe tricolore" sein.

Wenn nicht Freudentränen über den zweiten französischen WM-Titel nach 1998, dann wird es garantiert Abschiedstränen geben, wenn Zidane seinen Hut nimmt. Einer wie er war immer auch für das emotionale Element des Fußballs zuständig. "Es ist ewig schade, dass er aufhört. Er hat dem Fußball so viele schöne und unvergessliche Momente geschenkt", bedauerte Beckenbauer das endgültige Adieu jenes Mannes, der des "Kaisers" Weltmeisterschaft mit seinen immer noch vorhandenen Künsten so enorm bereicherte.

Die Geschichte des Zinedine Zidane wird in die Annalen der zweiten deutschen WM nach 1974 eingehen. Sie begann mit seinem Rücktritt vom Rücktritt, den er nach der EM-Pleite 2004 nach dem Viertelfinal-K.o. gegen Griechenland frustriert genommen hatte. Als in der Qualifikation Frankreichs WM-Teilnahme auf der Kippe stand, kehrte der Kapitän auf die Kommandobrücke des schaukelndes Schiffes zurück. Auch ohne große Worte gab der schweigsame Star ohne Allüren sofort den Ton an und die Richtung vor. Keiner sprach die Parole so wild entschlossen aus wie er: "Ich will noch einmal Weltmeister werden!"

Eine freche Formulierung angesichts der mühevollen Qualifikation. Es schien wie ein Sinnbild zu sein, als Zidane im letzten WM-Test, dem 3:1-Sieg gegen China, bei der Ausführung seines vergebenen Elfmeters ausrutschte und auf dem Hosenboden landete. Auch der Stolperstart der "Blauen" in der Gruppen-Phase (0:0 gegen die Schweiz und 1:1 gegen Südkorea) wurde eng verknüpft mit der Formschwäche des alternden Kapitäns. Als ohne den gelb-gesperrten Spielmacher mit dem 2:0 gegen Togo der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht war, wurde schon über seine Entbehrlichkeit spekuliert. Auch die Demütigung von Trainer Domenech, der ihn in der Nachspielzeit des Südkorea-Spiels vom Feld holte, wurde als Zeichen eines würdelosen Abschieds gedeutet.

Vielleicht wollte Domenech eine Trotzreaktion provozieren. Wenn ja, dann war es fast genial, den Genius noch einmal zu Großtaten anzustacheln. Denn diese folgten auf dem Fuß. Der mit seinen glitzernden Kickstiefeln schon zum goldenen Hemmschuh abgestempelte Mann mit der Nummer 10 schwang gegen Spanien (3:1) wieder den Taktstock der als "Rentnerband" verunglimpften "Blauen". Bei der Entthronung des Weltmeisters Brasilien (1:0) war der Zauberer wieder auf der Höhe seiner Schaffenskraft, im Semifinale erzielte er gegen Portugal per Elfer den entscheidenden Treffer zum 1:0. (APA/dpa)

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    Würdiger Abschied für einen Ball-Magier.

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