Öffis sind ein El Dorado für Taschendiebe

9. Juli 2006, 18:37
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Deutlich weniger Einbrüche in Wohnungen und Autos, aber massive Zunahme von Taschendiebstählen in Öffis

Wien – Wenn alle kleinen und großen Ganoven in Wien ein Monat lang sauber blieben, gäbe es derzeit 17.000 Anzeigen weniger. Das entspricht auch der Differenz zwischen heuriger und vorjähriger Halbjahresstatistik zur Kriminalitätsbelastung in ganz Österreich. Oder anders ausgedrückt: Von Jänner bis inklusive Juni 2006 wurden um 5,7 Prozent weniger Straftaten angezeigt als in den ersten sechs Monaten 2005. Was Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) am Freitag in Wien „sehr erfreut“ bekannt gab.

Niedrige Aufklärungsquote

Ein deutliches Minus steht vor Einbruchsdiebstählen in Wohnungen (von 7197 auf 6023 gesunken) und Pkw-Diebstählen (Rückgang von 3353 auf 2139). Ein schmerzliches Minus ist aber auch das Vorzeichen bei der Aufklärungsquote: 38,7 Prozent bedeuten einen historischen Tiefstand. Im Vorjahr konnten noch vier von zehn Straftaten aufgeklärt werden. Franz Lang, „Vize“ in der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit, führt das auf kurzfristig agierende Tätergruppen aus dem Ausland zurück. Wie flüchtige Gase befinden sich diese nur kurz im Zustand der Habhaftwerdung – sprich: schnell über der Grenze. Doch man habe bereits reagiert, an kriminellen „Hot Spots“ könne die Polizeipräsenz nun „innerhalb einer Stunde verdreifacht werden; egal wo“, gab sich Lang kämpferisch.

„Noch viel zu tun“ ist laut Herwig Haidinger, dem Direktor des Bundeskriminalamtes, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn Zug, Straßenbahn, U-Bahn und Bus sind die ergiebigsten „Arbeitsplätze“ von Taschendieben. 5472 Bestohlene haben von Jänner bis Juni Anzeige erstattet, um satte 27,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vier auf Taschendiebe spezialisierte Fahnder aus Österreich seien übrigens anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in München im Einsatz gewesen und hätten es dort auf 26 Festnahmen gebracht, sagte Lang.

Mehr Banküberfälle

Auch Raubdelikte nahmen landesweit um 2,8 Prozent auf 1493 Anzeigen zu. Allein in Wien wurden um ein Viertel mehr Bank- und Postamtsüberfälle (38) begangen. Das extra ausgewiesene Delikt von Handy-Rauben in der Bundeshauptstadt – in erster Linie jugendliche Täter – stieg um knapp 15 Prozent.

Im ganzen Land wurden 111.205 Tatverdächtige ermittelt, um knapp 11.000 weniger als in der ersten Hälfte 2005. Der Fremdenanteil generell (28 Prozent) ist leicht zurückgegangen. Anzeigen gegen Asylwerber hat es im Vorjahr um ein Fünftel mehr gegeben. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 08./09.07.2006)

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