Auf zu den schönen Plätzen

9. Juli 2006, 17:30
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Vierter und letzter Teil eines Reise-Berichts aus Sardinien – mit kulinarischen, preislichen und persönlichen Aspekten. Und einer kleinen Rede von Wellness - von Vene Maier

Im vierten und letzten Teil des Sardinien-Hypes wird nochmal kräftig Werbung gemacht. Das ist mir als Autor ein echtes Bedürfnis, auch wenn mir das niemand bezahlt. Die ganze Sache läuft eher unter dem Motto: Mach eine schöne Reise und sprich darüber. Schon okay, wenn sich manche derStandard.at-Leser und -innen schön langsam fadisieren, aber wes das Herz voll und der Eindrücke viele sind, der fasst das halt in ein paar Worte und stellt seine Ansichten ins Netz. Aber wem’s echt zuviel wird, der/die lese einen der vielen anderen schönen Beiträge.

So, damit aber nicht genug. Auch manch anderer Poster will vielleicht eine Antwort und/oder einen Widerspruch. Wobei die Motive des einen und des anderen Kommentars ja eh leicht zu erkennen sind. Nehmen wir doch den Karl Smejkal, dem nicht nur das Wasser zu naß und die Strände zu dreckig sind, sondern auch das Essen zu mild, sodass er nicht einmal richtig „(ge)niesen“ muss. Und dafür dann auch noch zu bezahlen, dass kann einem den Urlaub schon vermiesen. Aber, wir haben den Herrn Smejkal und den Herrn/die Dame PPM durchschaut: Sie wollen weiterhin möglichst allein sein und keine weiteren lästigen Touristen neben sich haben.

Geht mir manchmal auch so, aber mein Brot verdient sich eben unter anderem damit, dass gute und schöne Destinationen publik gemacht, also unters Volk gebracht werden. Darum sei hier nochmal in aller Deutlichkeit meine Meinung kundgetan und auch die letzten (mir bekannten) schönen Plätze im wunderbaren Sardinien verraten.

Radrunde mit Fritto misto

Machen wir doch noch eine Radrunde, so fein und schön geschwungen, wie noch keine davor. Auf glattem, fast frischem Asphalt, gleichmäßigen Steigungen und rasend kurvigen Abfahrten. Und der einen und anderen Einkehr, um sich da einen Cafe und dort eine gegrillte Languste zuzuführen.

Die Runde fängt in Chia an und endet dort. Nachdem auch so rund 550 Höhenmeter im ersten Anstieg enthalten sind, fängt man am besten gleich damit an. Es geht über die Berge nach Teulada, man trinkt einen Cafe um die üblichen 70 Cent, radelt weiter zum Porto de Teulada, und nimmt den Schwung mit zu einer Einkehr in der Trattoria da Gianni. Gut, wirklich gut und frisch das Essen, zwar keine Languste (zu teuer, aber wer’s sich leisten kann, der gönne sich das), aber ein Fritto misto mit frischen Sardinen und gegrillten Tinten- und ein paar anderen kleinen Fischen tut’s auch. Und dann noch einen Teller voll Spaghetti und Muscheln, frisch zubereitet mit den wunderbaren süßen Tomaten der Insel.

Leicht versnobt, zart blasiert

Dazu ein frischer und schöner Rose von der Cantina in Sardis. La Vita e bella. Schön sind auch die Gäste bei Gianni, allerdings leicht versnobt und etwas blasiert der Chef selber, der uns so cirka 35 Euro pro Person abnimmt. Dafür kann man bei „Gino e Maria“ in Wien einen ganzen langen Fussballabend mit viel mehr Vermentino, Pizza, Calamari und einem Haufen frittierter Kleinfische konsumieren, ein gutes Fussball-Match mit einem würdigen Sieger sehen und sogar den Adabei von der „Krone“ aushalten. Man kann zwar auch in Sardinien preiswerter einkehren, aber was solls. Weiter auf der Küstenstraße, entlang herrlicher Buchten und mit Blick auf das grün, dunkelgrün und blau blitzende Meer wieder zurück nach Chia. Eine feine Runde von ca. 50 Kilometer und so rund 750 Höhenmetern, etwas für den mitteltrainierten Körper und die noch leicht winterfrostige Seele.

Der Weg zurück nach Pula, einem durchaus anheimelnden Küstenstädtchen südwestlich von Cagliari, führt auch am Forte Village vorbei, einer kleinen Insel der Reichen und Schönen, deren Bewohner sich aber auch ein bißchen Fürchten, also ist das Gelände umzäunt und bewacht, und so einfach daherkommende Besucher (sogenannte Visiteure) dürfen das Gelände nicht betreten. Aber immerhin gibt’s beim Pförtner einen superschönen und hochglanzteuren Katalog, der dem Individualreisenden sagt: Hier bist du eigentlich nicht willkommen, und eh und überhaupt nicht am richtigen Platz.

Ein richtiges Lobgehudel...

Also lassen wir das und ziehen weiter. Nach Sant Antioco (mit Betonung auf dem i). Urlaub am Meer. Nicht so ganz wie aus dem teuren Prospekt, aber so, wie man es sich in seinen Träumen vorstellt: Karge, ruhige Landschaft, Maccia mit wildem Rosmarin, Bockskraut, Myrte und etlichen Dutzend unbekannter Gewächse, ein paar Hektar Weingärten, Oliven- und Wacholderbäume, dazwischen eine stillgelegte Kalkgrube mit einem kleinen See, eine Ziegenherde und drei wunderbare weisse Hirtenhunde. Wenige Buchten mit Badestrand, meist felsiges Ufer, hie und da hohe Klippen.

In diesem unspektakulären Nichts liegt das Hotel „Luci del Faro“. Auch wenn es nur über staubige Feldwege zu erreichen ist, folgt jetzt (Hinweis: keine Reiseveranstalterwerbung) ein richtiges Lobgehudel. Soviel stilsicheres Ambiente in gehobener Qualität war schon lange nicht. Der Zufall (und auch die Zeit, von der grad was übrig war) ließ uns den Weg in die Abgeschiedenheit und Gelassenheit der touristischen Vorsaison mit Blick über Getreidefelder und Mirtenbüsche hinaus aufs offene Meer finden. Nur die Insel Sant Pietro, über der wie immer die Sonne unterging, wenn die Fischer vom Tunafang zurückkamen, stoppte das Auge am Horinzont. Ansonsten: Stille, Ruhe, Wärme, Entspannung.

...weil’s so schön ist

Und gutes Essen. Unspektakuläre, dafür authentische Küche, Gnoccetti al Pomodori fresci, Pasticio con Tonno, Tuna affumicata, Tuna in Rotwein und Tonno alla Griglia. Lamm gegrillt, mit Mirto und als Ragout. Das halt, wovon die Fischer und die Bauern hier so leben. Gut gekocht und von den ebenfalls guten Weinen der Cantina Sociale aus Calasetta und Sant Antioco (die Sardus Pater heißt) begleitet. Weil’s so schön ist, darfs auch mal ein Terre Brune sein, ein international bekannter und vom Gambero Rosso hochbewerteter Rotwein von der Cantina in Santadi.

„Fahrt lieber woanders hin“, heißt es im Posting von Herrn Smejkal. Fahrt doch einmal genau dahin, würde ich dazu sagen. Zwar ist das Hotel „Luci del Faro“ ebenso wenig ein Billigquartier wie Sardinien ein billiges Urlaubsland ist, aber – auch wenn man als Freiberufler in immer prekärere Verhältnisse gedrängt wird – doch noch leistbar. Schließlich gönnt man sich ja sonst nicht allzuviel. Also: Die € 80,-, die man in der Vorsaison für das Zimmer (mit wunderbarer Aussicht auf einen Horizont voll Meer), einen schönen Arbeitplatz, einen stillen Garten mit feinem Pool, ein reichlich üppiges Frühstück und ein Abendessen mit allen Finessen hinlegt, sind die Sache einfach wert.

Muss es die Costa Smeralda sein?

Und wer nicht unbedingt in der Hauptsaison urlauben muss, kann sich Sardinien grad noch leisten. Wobei ich natürlich nicht weiß, wieviel man/frau ablegen muss, wenn man sich die Costa Smeralda als Destination aussucht. Aber dorthin würde ich sicher nur fahren, wenn mir grad ein Lotto-Sechser ausgekommen wäre – was allein schon deswegen nicht der Fall sein wird, als ich nie Lotto spiele. Da such ich mir mein kleines Glück lieber selber aus – und ein Teil davon ist sicher, wieder nach Sardinien zu fliegen.

Ist auch nicht viel teurer als ein fades Wochenende in einem Luxus-Spa-Ressort mit allen langweiligen Wellness-Oasen. Davon hat Sardinien mehr als genug. Was ich alles noch nicht gesehen habe an herrlichen Buchten, rasend schönen Plätzen und gar nicht hoch genug zu lobenden Trattorien und Restaurants, das möchte ich sicher noch erkunden. Und wenn’s dann noch jemanden interessiert, werde ich auch diese geheimen Tipps wieder öffentlich machen. Versprochen.

Ansichtssache: Sardische Impressionen 4

Links
Spezialist für Sardinienreisen ist Christophorus-Reisen. Infos unter: www.sardinien.at

Hotel "Luci del Faro"
  • Das Hotel Luci del Faro: Nur über staubige Strassen zu erreichen.
    fotos: vene maier/silvia fracaro

    Das Hotel Luci del Faro: Nur über staubige Strassen zu erreichen.

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