EMS in Tirol: 1.424 Bewerber rittern um 400 Studienplätze

7. Juli 2006, 17:23
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Aufnahmeprüfungen finden in sechs Innsbrucker Messehallen statt

Innsbruck - Nervöse Anspannung hat sich am Freitag am Innsbrucker Messegelände breit gemacht. 1.424 Kandidaten kämpften dort beim EMS-Test (Eignungstest Medizin Studium; Anm.) um einen der 400 begehrten Plätze für ein Studium an der Medizinischen Universität Innsbruck. Sechs Messehallen mussten eigens für das aufwendige Verfahren angemietet werden.

Da, wo sonst von Ausstellern die neuesten Produkte präsentiert werden, rauchten den ganzen Tag lang die Köpfe der Studierwilligen. Schon zeitig in der Früh hatten die sichtlich aufgeregten Bewerber aus Österreich, Südtirol, Deutschland und anderen Ländern auf den Einlass gewartet. Von den 2.052 definitiv Angemeldeten erschienen rund 70 Prozent tatsächlich zum ersten EMS-Test in Innsbruck.

"Ein bisschen mulmig ist mir schon", meinte die 19-jährige Anna aus Laas in Südtirol. Falls es diesmal nicht klappen sollte, will sie bei nächster Gelegenheit einen neuen Anlauf für ein Medizinstudium unternehmen. Die 22 Jahre alte Ursula aus München wartet bereits seit drei Jahren auf einen Studienplatz in Deutschland. Daher versuche sie nun in Tirol ihr Glück. Sollte es mit dem Test nicht funktionieren, will der 20-jährige Luxemburger Kim ein anderes Studium beginnen. "Es ist schlimm, dass plötzlich alle Deutschen auch in Österreich studieren können", beklagte die 19 Jahre alte Elisabeth aus Bad Schallerbach in Oberösterreich. Es hätte schon vorher eine Reglung geben müssen, rechnete sie sich kaum Chancen aus. "Als "etwas unfair" empfand der 20-jährige Münchner Ferdinand den EMS-Test. "Es tut mir Leid für die Österreicher, die wegen uns einen Stress haben."

Als sich die Tore um 8.30 Uhr öffneten, wurden zunächst die Personalien genau überprüft. Bevor die Teilnehmer in den Hallen ihre Plätze einnehmen konnten, wurden sie von Mitarbeitern des Österreichischen Wachdienstes mittels Metalldetektoren peinlichst genau kontrolliert. Lediglich Schreibutensilien und eine Jause durften mitgenommen werden. Taschen und Handys waren streng verboten und mussten in Garderoben deponiert werden.

Die insgesamt 15.000 Quadratmeter großen Hallen wurden in mehrere Sektoren eingeteilt. In gebührendem Abstand reihte sich Tisch an Tisch. 120 Aufsichtspersonen hielten ein wachsames Auge auf die Kandidaten. Ab 9.30 Uhr wurden die Testunterlagen verteilt und der erste Teil des Verfahrens durchgeführt. Mit "sehr gemischten Gefühlen" beobachtete Rektor Univ.-Prof. Clemens Sorg zunächst den Ansturm der angehenden Medizinstudenten. "Mit solchen Massen zu tun zu haben, das sind wir auch nicht jeden Tag gewohnt", hoffte er auf keine Zwischenfälle, die zur Wiederholung des Tests zwingen würden. Die Kosten für das Verfahren bezifferte er mit 200.000 bis 300.000 Euro. Im Anschluss an eine einstündige Mittagspause fand bis 17.00 Uhr der zweite Testteil statt.

Im März hatten sich insgesamt 2.182 Kandidaten persönlich angemeldet, 1.932 für die 360 Studienplätze in Humanmedizin, 250 für die 40 Plätze in Zahnmedizin. 75 Prozent der Studienplätze sind für Bewerber mit österreichischer oder gleichgestellter Matura (Südtirol, Liechtenstein, Luxemburg) reserviert, 20 Prozent für Interessenten mit Reifezeugnis aus einem anderen EU-Land und fünf Prozent für Bewerber mit Reifezeugnis aus Nicht-EU-Staaten. (APA)

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